Der Mensch ist unperfekt, and so am I. Nachdem ich einige hochtrabende Rezensionen gelesen und einen euphorischen Fernsehbeitrag gesehen hatte, brauchte es nicht mehr viel, um mich in die nächste Buchhandlung zu treiben. Schon während des Weihnachtsgeschäfts war ich immer wieder an diesem Buch vorbei gelaufen, doch stapelten sich zu jener Zeit andere Dringlichkeiten auf meinem Schreibtisch. Schließlich überzeugte mich ein unerwarteter Tweet davon, dass ich mir „den Rachman“ krallte.

Doch nun sitze ich hier, ich unperfekter Leser, vor diesem zu 5/8 gelesenen unperfekten Buch eines unperfekten Autors (samt unperfekter Übersetzung). Wann habe ich zuletzt einen Roman aufgegeben? Ich glaube, das war der Dan-Brown-Mist vor sechs, sieben Jahren. Wenngleich Die Unperfekten dagegen in vielerlei Hinsicht perfekt ist. Um es kurz zu machen: Unperfekte Handlung, unperfekte Figuren, unperfekte Logik menschlichen Agierens. Und eine unperfekte Kurz-Rezension, versteht sich. Den Buchinhalt gibt’s hier.

(4 unperfekte Punkte für das bereits gelesene Unperfekte)

ACHTUNG: Wer sich für diesen hier nur unnötig rumliegenden Briefbeschwerer ernsthaft interessiert, bekommt ihn geschenkt. Gegenleistung: Eine ernsthafte, gutgemeinte Buchempfehlung, die für mich NEU sein könnte. Also nix Moby Dick oder Don Quijote, auch kein Max Frisch, Jörg Fauser, Daniel Kehlmann oder Thomas Glavinic. Bin gespannt auf eure Postings. Das mit dem größten Mehrwert gewinnt. (Der/die potenzielle Sieger/in sollte seine Mailadresse hinterlassen.) Zur leichteren Orientierung siehe hier, da und dort. DANKE!

Alex Garlands Der Strand habe ich vor zehn Jahren gelesen, nachdem ich den Film (The Beach) aus besonderen Umständen zwei Mal im Kino gesehen hatte. Von der Geschichte bin ich noch heute begeistert – und den Film (Regie: Danny Boyle) würde ich mir wohl noch das eine oder andere Mal anschauen. Als ich kürzlich Das Koma im Buchabverkauf fand – ein Kurzroman, der mich schon lange interessiert hatte und den die FAZ als „Meisterwerk!“ bezeichnete –, griff ich zu. Und wurde ziemlich enttäuscht.

Die Geschichte dreht sich um einen Mann namens Carl, der von Unbekannten ins Koma geprügelt wird. Als er nach einigen Tagen wieder zu sich kommt, stellt er unangenehme Veränderungen in seiner Umwelt fest – vielleicht auch nur in seiner Wahrnehmung, wie Carl irgendwann überlegt. Oder: Ist er eventuell noch gar nicht aufgewacht? Dieser Frage geht der Protagonist in öden Worten – liegt es nur am Übersetzer? – und pseudophilosophischen Gedankengängen nach. Vom „Meisterwerk“ keine Spur. Aber: schöne Bilder.

(2 Punkte)

Das Urteil über Helene Hegemanns Roman fällt nach der Lektüre noch vernichtender aus, als zu erwarten war. Natürlich kann man das Buch nur in dem Bewusstsein lesen, dass weite Teile von Airens Strobo abgeschrieben sind, und das schürt auch Vorurteile gegenüber den allgemeinen Handwerksqualitäten dieser Autorin. Aber nach all der Lobhudelei in den Feuilletons und der trotz Aufdeckung des Schwindels hohen Anzahl an verbliebenen Fürsprecherinnen und Fürsprechern des Werks (und der Kompilatorin) war doch erwartbar, dass man sich da täusche. Njet: Über weite Strecken setzt sich die holprige Geschichte nur aus einer Aneinanderreihung von Schimpftiraden zusammen, die mal von einem Sex-Szenchen, mal vom Konsum einer Prise Kokain, ein anderes Mal von verstümmelten Songtexten durchbrochen werden. Die Handlung lässt sich erahnen, aber kaum wiedergeben: Mutterkomplex, Vaterhass, Inzuchtverdacht, Liebeskummer und Rückblenden münden im Chaos. „[G]roße, unvergessliche Literatur“: Satire, Herr Biller?

(3 Punkte)

Ein Mann trifft eine Gute Fee, hat drei Wünsche frei und fordert sein Schicksal heraus, indem er eben nichts Konkretes, sondern gleich das klar ersichtliche Optimum fordert: „[D]ass sich alle meine Wünsche erfüllen.“ Auf die anderen zwei Wünsche komme es nun nicht mehr an, lacht er sein Gegenüber aus, „ich schenke sie Ihnen“. Natürlich: Die Fee stinkt nach Schnaps, ist schlecht rasiert, sieht mehr wie ein Zuhälter aus. Wer würde einen solchen Penner ernst nehmen? Jonas, der so leichtfertig handelnde Protagonist in Thomas Glavinics Roman Das Leben der Wünsche, hätte es wohl tun sollen; nach und nach werden nämlich von nun an seine unbewussten Sehnsüchte befriedigt.

Die Handlung ist schnell notiert: Nachdem er sich erst über Veränderungen in seinem Umfeld wundert, werden ihm die Geschehnisse zunehmend unheimlich, wenngleich Jonas keine Anstalten macht, sich dagegen zu wehren; er versucht auch nicht, den Spinner mit den drei Wünschen wieder zu finden, nein: Er akzeptiert weitgehend, was um ihn herum passiert. Todesfälle, Unfälle, Glücksfälle: Jonas gibt sich nicht all zu beeindruckt davon. Man könnte fast sagen, dass er sein Schicksal als gottähnlicher Gestalter mit Gleichmut konsumiert – bis zum bitteren Ende.

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Da hat der gute Chuck einen Rohrkrepierer abgeliefert: Das Unheimliche, das sich angeblich auf der Insel Waytansea abspielt, regt mehr zum Gähnen an, denn zum Fürchten. Dabei beginnt es nicht weniger skurril als andere Palahniuk-Bücher: Einsamkeit, Selbstmord, Fäkalien und die Alltagsprobleme eines vermeintlichen Durchschnittsmenschen thematisiert der Autor ganz nebenbei, während er – wie man später erfährt in Form des Tagebuchs der zentralen Protagonistin –, die gescheiterte Beziehung eines nicht ganz durchschnittlichen Paars nachzeichnet. Sie, Misty, träumte davon, eine große Malerin zu werden; heute putzt sie Hotelzimmer. Er, Peter, befreite sie während des Studiums an der Kunstschule aus einer lebensfeindlichen Umwelt und machte sie zu seiner Frau; nun liegt er nach einem missglückten Suizid im Koma. Was ihr naturgemäß keine Ruhe lassen kann und sie auf die Spur eines grausamen Komplotts führt. Diese Fährte sollte man Misty jedoch alleine verfolgen lassen: Das Buch ist großer Mist.

(2 Punkte)