Mit zwölf Jahren schrieb ich Briefe an Arnold Schwarzenegger, später an Nirvana und Selig; deren sicherlich ausführliche Antworten kamen nie an, dafür die Autogrammkarten der Fantastischen Vier – und von Thomas Klestil. Ja, ich habe mich früh für Politik interessiert, aber der amtierende Bundespräsident war mir, was seine Funktion wie auch seine Person betraf, um 1992 herum doch noch ziemlich egal; jedoch, so mein Gedanke: Die Unterschrift des höchsten Amtsträgers der Republik – damit sollte man beeindrucken können! Wen auch immer.

Eine wirkliche Sammlerleidenschaft entwickelte sich daraus nicht, wenngleich ich mir das Selig-Autogramm bei einem Konzert 1996 doch noch holte, und im Lauf der Zeit die Unterschriften von Walter Schiejok und Paradise Lost sowie ein Drumstick des Sepultura-Gitarristen (kein Fehler!) Andreas Kisser meine Jugendzimmerwand zierten. Für das verschwitzte T-Shirt von Billy Joe Armstrong war ich beim Konzert in Konstanz 1997 um einen Sekundenbruchteil zu langsam, aber das habe ich nie wirklich bereut.

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Westbahnhof again: Zugegeben, ich hatte schlechte Laune und hätte es ansonsten etwas freundlicher formuliert, aber der jungen Frau, die mich heute Vormittag am Bahnsteig der U3 mit ihrem Glimmstängel einnebelte, zischte ich mal eben recht scharf zu, dass „hier übrigens Rauchverbot herrscht“. Ihr ehrlich überrascht wirkendes „Ach so?“ nahm ich tatsächlich für einen kurzen Moment ernst, nur um gleich festzustellen, dass ich wieder einmal der personifizierten Wurschtigkeit gegenüberstand („Hallo – wir sollten uns echt seltener sehen!“). Ich also der Trottel, der weiterhin im Blauen Dunst stand und die restliche Partie Wurschtigkeit, die ringsum, mehr oder weniger direkt neben der Gör, und mehr oder weniger ungeduldig auf den Zug in Richtung Arbeitsplatz wartend, hilfesuchend anblickte. Aber: nichts.

Mehr noch als sonst für das Thema sensibilisiert, suchte ich während der folgenden U-Bahn-Haltestellen wachen Blickes die Bahnsteige ab, und siehe da: Miss Mir-doch-egal blieb nicht allein. Wieder einmal stellte ich fest, dass das Rauchen am Bahnsteig zu den normalsten Dingen in dieser Stadt zählt, und die Wiener Linien (WL) ihre 50-Euro-Strafe-Warnzettel scheinbar nur affichieren, damit die vielen Schaukästen nicht umsonst montiert worden sind. Oder hat irgendwer schon mal miterlebt, dass es seitens der uniformierten WL-Mitarbeiter oder deren getarnten Schwarzkappler-Kollegen eine entsprechende Verwarnung bzw. Abstrafung gegeben hätte? Aber wehe, man hat seine Jahreskarte einmal daheim liegen lassen: „Ja, das sagen sie alle!“

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Ich hab’s heute Nachmittag zum wiederholten Male festgestellt: Vor den Liften der Wiener U-Bahn-Stationen steht man sich manchmal echt Löcher in den Bauch, und warum? Weil es zig Leute zwischen 15 und 55 gibt, die trotz augenscheinlich bester Gesundheit zu faul sind, die (Roll-)Treppen zu benützen. Die bleiben lieber zehn Minuten stehen, bis sie es im dritten oder vierten Anlauf in eine Kabine schaffen. Ich bin ja, Gott sei’s gedankt (oder wem auch immer…), selten wirklich in Eile, wenn ich meine Tochter im Kinderwagen vor mir her schiebe. Und falls doch, dann darf’s, trotz schlechtem Gewissen, auch einmal flugs über die Rollenden Stufen gehen; wenn man den Dreh erst raus hat, halten sich die damit verbundenen Gefahren sehr in Grenzen.

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Neulich, auf dem Weg zur Arbeit.

In aller Herrgottsfrüh (ausnahmsweise), fällt mir auf einmal, zwischen zwei U-Bahnen, dieser Typ auf: Anfang zwanzig, dunkler Teint; grüner Parka, in der Hand ein Becher Kaffee, fette Kopfhörer und – ja was? Inmitten all der Frühaufsteher, die sich am Westbahnhof in die U3 drängten, konnte ich meinen Blick nicht von diesem Kerl wenden, weil… gibt’s denn sowas?

Eine Antenne, dachte ich – vielleicht Besuch von einem anderen Stern, von Glorf etwa? Dann, weil die schwarzen Locken am Hinterkopf zu einer Art Dutt gezwirbelt waren, assoziierte ich einen dieser Haarstifte, wie sie meine Schwester und meine Mutter schon mal trugen. Doch nein, tatsächlich, es täuschte mich nicht: ein Bleistift. Nicht etwa, um den Dutt zu halten, nicht einmal durch ihn durchgeführt, aber: das war eindeutig das Ende eines Bleistifts, samt aufgesetztem Radierer (in leuchtendem Rot), das sich mir da entgegen streckte.

Mittlerweile eingestiegen, hatte ich mich hinter das Objekt meiner Neugier gestellt. Und mehr noch, als dass ich mich über das wie und warum wunderte – war das eine Eigenkreation? Betrachtete ich einen Einzelfall oder einen Mitläufer? -, beschäftigte mich die Frage, ob das andere Ende des Bleistifts angespitzt, das Teil also einsatzbereit, war. Es juckte mich einigermaßen in den Fingern, doch schreckte ich schließlich davor zurück, ihn heraus zu ziehen, geschweige denn, ihn in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Würde sein Besitzer ihn wohl herausziehen, wenn er am Ziel seiner morgendlichen Reise war (Schule, Uni, Arbeitsamt, Büro, …), vielleicht um sich wichtige Notizen zu machen? Würden sich wohl die Spatzen darauf niederlassen, wenn sie ihn auf der Straße erblickten, um eine Zeit lang darauf auszuruhen? Und, lächerlich, aber dieser Gedanke fraß sich durch mein Gehirn: Schläft der Junge auch damit?

Wie froh war ich, als meine Station ausgerufen wurde. Ich zog den Türhebel, atmete auf und machte mich vom Acker.