Die Grünen sagen endlich ab, um sich Geld und Wahlkampfmunition zu sparen, die FPÖ stellt endlich klar, dass sie Rosenkranz for President will. Und was sagt Stefan Petzner, als er in einem Nebensatz in der ORF-Sendung Im Zentrum nach den Ambitionen seines Parteichefs Josef Bucher gefragt wird? „Die Chancen stehen 50 zu 50.“ – Super, mit der Wahrscheinlichkeit trete ich auch an: Entweder ich tu’s, oder ich tu’s nicht!

Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass FP-Rosenkranz seitens der Partei als „klares Angebot an ÖVP-Wähler“ vorgestellt wurde. Vor etwas mehr als zehn Jahren hätte man darüber gelacht. Heute wünscht man sich, dass die Volkspartei doch noch einen Wunderwuzzi aus dem Hut zaubert und kandidieren lässt – um alle Zweifel daran auszuräumen, dass man sich mit dem Angebot aus Niederösterreich aber sowas von nicht anfreunden kann…

Ein gefallener ÖVP-Engel wie Franz Fischler oder Erhard Busek hätte gute Chancen und könnte sogar von den Grünen, wenn sie schon Zweifel an Heifis Qualitäten hegen, guten Gewissens unterstützt werden. Aber die ÖVP 2010 ist wahrscheinlich tatsächlich eher auf Linie mit Rosenkranz als mit dem ehemaligen EU-Kommissar oder dem früheren Wissenschaftsminister und Vizekanzler. Wen die zwei wohl wählen?

Bundespräsident Heinz Fischer hat „seine Sache sehr ordentlich gemacht“, bestätigt ein weiterer Präsident, der sich um die Verlängerung seiner Amtszeit wenig sorgen muss – nämlich jener der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl –, im Standard. Zwar sei er mit der Meinung, dass die ÖVP auf eine Kandidatur verzichten solle, in der Partei lange Zeit allein gewesen; dann aber wurde daraus doch „die Mehrheitsmeinung“. Ausschließlich „wegen eines Achtungserfolgs anzutreten ist – auch wegen der Kosten – nicht sehr ratsam, das bringt nichts“, weiß Leitl. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll nennt das, was am Donnerstagnachmittag von seinem Neffen, Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll verkündet werden soll, zwar „einen strategischen Fehler“. Aber wie sollte gerade er, der eigentlich selbst angetreten wollte, nur leider viel zu früh und – auch ein „strategischer Fehler“ – auf einem Ticket der Kronenzeitung bereits im Juni 2009 einen entsprechenden Vorstoß wagte (oder meinetwegen in den Ring gestoßen wurde), auch anders agieren?

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