Ja, es war ein schwacher Ruf, auch wenn er laut durch das Festzelt schallte: „Wer Achtjährige wie Terroristen behandelt, der tickt nicht richtig“, stellte der Wiener Bürgermeister am Freitagabend in mittlerweile gewohnt rüdem Ton fest. Ein Problem dabei: Dieser Ton, der im Fall der jüngsten Unmenschlichkeit auf Basis österreichischer Gesetzgebung nicht unpassend war, unterschied sich kaum von der Frage Michael Häupls wenige Wochen zuvor, ob die amtierende Wissenschaftsministerin Beatrix Karl „wo ang’rennt“ sei. Damals ging es um die von ihr angesprochene Möglichkeit, künftig Universitäten bzw. Universitätsinstitute/-fakultäten zu schließen – eine Option, die mittlerweile auch Unirektoren erwägen.
Eine grosze Schweinerei
Aug 5
An der Uni Wien habe ich vor Jahren ein Proseminar besucht, indem es um das Judentum ging. Als Jörg Haider in jenen Tagen seinen legendären rhetorischen Ausritt gegen Ariel Muzicant beging, den Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinde Wien, nannte der vortragende Professor ihn ob dessen andauernden Jonglierens mit antisemitischen Klischees ein Schwein. Einige Wochen später sollten wir dem Lehrveranstaltungsleiter schriftlich Rückmeldung ob unserer Zufriedenheit mit seiner Arbeit geben, was natürlich auch anonym möglich war; und, klar, zumindest eine Stellungnahme zur Chose war mit dabei: Es ginge nicht an, einen (renommierten) Politiker solcherart zu beschimpfen – bei aller gerechtfertigten inhaltlichen Kritik. Was machte der Professor? Er wiegte seinen Kopf, er strich sich über seinen Schnurrbart und stimmte dem Kritiker zu – nur um sogleich festzustellen, dass ein Schwein nun Mal einfach ein Schwein zu nennen sei. Punktum.
Promis ansprechen
Jun 4
Mit zwölf Jahren schrieb ich Briefe an Arnold Schwarzenegger, später an Nirvana und Selig; deren sicherlich ausführliche Antworten kamen nie an, dafür die Autogrammkarten der Fantastischen Vier – und von Thomas Klestil. Ja, ich habe mich früh für Politik interessiert, aber der amtierende Bundespräsident war mir, was seine Funktion wie auch seine Person betraf, um 1992 herum doch noch ziemlich egal; jedoch, so mein Gedanke: Die Unterschrift des höchsten Amtsträgers der Republik – damit sollte man beeindrucken können! Wen auch immer.
Eine wirkliche Sammlerleidenschaft entwickelte sich daraus nicht, wenngleich ich mir das Selig-Autogramm bei einem Konzert 1996 doch noch holte, und im Lauf der Zeit die Unterschriften von Walter Schiejok und Paradise Lost sowie ein Drumstick des Sepultura-Gitarristen (kein Fehler!) Andreas Kisser meine Jugendzimmerwand zierten. Für das verschwitzte T-Shirt von Billy Joe Armstrong war ich beim Konzert in Konstanz 1997 um einen Sekundenbruchteil zu langsam, aber das habe ich nie wirklich bereut.
Schön, dass es euch gibt!
Mrz 29
Mit ihrem Aufschrei gegen das Bettelverbot in Wien und ihr Eintreten für einen ernstzunehmenden Nichtraucherschutz wenden sich die Grünen wieder vermehrt relevanten – im Sinne von: massentauglichen – Themen zu. Natürlich hat das Engagement für die „Rathausfrau“ Symbolkraft, und sicherlich war der Kampf für eine eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlich Liebender (vulgo: Homo-Ehe) wichtig und schlussendlich erfolgreich, wenn auch das wirklich dringende Anliegen von den Regierungsparteien nur in abgeschwächter Form umgesetzt worden ist. Aber an der Wahlurne sind damit einfach keine Mehrheiten zu holen.
„Die Arbeit nieder!“
Mrz 5
Also wieder einmal der Internationale Frauentag. Am Montag ist es soweit: 99 Mal wird er danach angegangen worden sein, und nächstes Jahr, zum Zentennium, lassen wir unsere Mitbürgerinnen dann erst recht hoch leben.
„Dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekommen, einfach deshalb, weil sie Frauen sind, ist beschämend“, stellt die Frauenministerin fest. „Und dass die Einkommensunterschiede eher größer als kleiner werden, hat nichts mit einer modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu tun.“ Für dieselbe Arbeit bekommen Frauen im Durchschnitt nämlich immer noch um 15 Prozent weniger bezahlt als Männer, denen es vielfach nicht recht sei, dass überhaupt eine offene Diskussion über die Einkommensschere geführt wird, wie Gabriele Heinisch-Hosek heute per OTS mitteilte. Natürlich steht Österreich in dieser Hinsicht nicht alleine etwas blöd da: Laut dem Statistischen Bundesamt Deutschland sieht es in unserem größten Nachbarland noch schlechter aus. Die aktuellsten Zahlen belegen (auf Basis der Bruttoeinkommen 2008), dass der deutsche Gender Pay Gap bei 23,2 Prozent liegt. Das ist deutlich über dem EU-Schnitt von 18 Prozent, den wir derzeit noch unterbieten.