Auf der Wiener Buchmesse – vulgo „Buch10“, wie ich heute gelernt habe –, ist es für den Durchschnittsmenschen sicherlich sehr interessant, da gibt es einiges zu stöbern. Weil ich viele „Pflichtbücher“ dieses Herbstes bereits kenne oder zumindest neben mir aufgestapelt habe (die sind natürlich nicht alle lesenswert, ach wo…), hielt sich der News-Wert in Grenzen. Umso mehr danke ich den Veranstaltern für die Presse-Akkreditierung: Mercie, es war sehr nett. Die Vorträge und Diskussionen, die mich angesprochen hätten, gingen und gehen sich bis Sonntag allesamt nicht aus, aber immerhin konnte ich ein dreijähriges Mädchen glücklich machen, indem ich mit ihr das „Zookonzert“ von Marko Simsa aufgesucht habe: „Papi, das war sehr, sehr lustig.“ Mit knapp 45 Minuten aber auch etwas zu lange für einige der jungen Besucher/innen. Doch der Künstler hat sich redlich bemüht, und etwa ein Drittel der Zeit waren auch zwei Filmteams anwesend. ORF? ATV? Puls4? Keine Ahnung, aber ab 19 Uhr wird wohl mal durchgezappt. Richard K. Breuer hat übrigens nicht zuviel versprochen: Sein Stand Nr. 732 ist sehr schön anzusehen.
Verschwörung im Alltag
Nov 18
Schön, dass es euch gibt!
Mrz 29
Mit ihrem Aufschrei gegen das Bettelverbot in Wien und ihr Eintreten für einen ernstzunehmenden Nichtraucherschutz wenden sich die Grünen wieder vermehrt relevanten – im Sinne von: massentauglichen – Themen zu. Natürlich hat das Engagement für die „Rathausfrau“ Symbolkraft, und sicherlich war der Kampf für eine eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlich Liebender (vulgo: Homo-Ehe) wichtig und schlussendlich erfolgreich, wenn auch das wirklich dringende Anliegen von den Regierungsparteien nur in abgeschwächter Form umgesetzt worden ist. Aber an der Wahlurne sind damit einfach keine Mehrheiten zu holen.
Leidiges Thema: Warum muss ich mich andauernd dafür rechtfertigen, mein Kind (und dessen Freunde) nicht vergiften lassen zu wollen?
Pünktlich mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen zieht es die gesamte Wohnanlage, auch die bislang fruchtlosen Paare, hinaus in die Höfe, auf die Wiesen, auf die Spielplätze. Und dort lässt sich das Leben nach Dienstschluss oder an den Wochenenden wahrlich genießen: Fröhliches Lachen des Nachwuchses, das Klopfen der Spechte, das von der U-Bahnstation hertönt; mehr oder weniger interessante Gespräche mit anderen Eltern, über Innenpolitik, Erdbebenopfer und die besten Windelangebote. Es wäre alles sehr entspannend – ohne diese Ignoranten.
Schlimm genug, wenn einer mit dem Tschick im Mundwinkel den Kopf im schicken Bugaboo-Kinderwagen verschwinden lässt: Armes Baby, aber nicht meines. Da hätte man wahrlich keine Rückendeckung vor Gericht, wenn man dem Kerl das Wagerl empört wegreißt und zum Jugendamt zu karren versucht: Entführung bleibt Entführung.
Westbahnhof again: Zugegeben, ich hatte schlechte Laune und hätte es ansonsten etwas freundlicher formuliert, aber der jungen Frau, die mich heute Vormittag am Bahnsteig der U3 mit ihrem Glimmstängel einnebelte, zischte ich mal eben recht scharf zu, dass „hier übrigens Rauchverbot herrscht“. Ihr ehrlich überrascht wirkendes „Ach so?“ nahm ich tatsächlich für einen kurzen Moment ernst, nur um gleich festzustellen, dass ich wieder einmal der personifizierten Wurschtigkeit gegenüberstand („Hallo – wir sollten uns echt seltener sehen!“). Ich also der Trottel, der weiterhin im Blauen Dunst stand und die restliche Partie Wurschtigkeit, die ringsum, mehr oder weniger direkt neben der Gör, und mehr oder weniger ungeduldig auf den Zug in Richtung Arbeitsplatz wartend, hilfesuchend anblickte. Aber: nichts.
Mehr noch als sonst für das Thema sensibilisiert, suchte ich während der folgenden U-Bahn-Haltestellen wachen Blickes die Bahnsteige ab, und siehe da: Miss Mir-doch-egal blieb nicht allein. Wieder einmal stellte ich fest, dass das Rauchen am Bahnsteig zu den normalsten Dingen in dieser Stadt zählt, und die Wiener Linien (WL) ihre 50-Euro-Strafe-Warnzettel scheinbar nur affichieren, damit die vielen Schaukästen nicht umsonst montiert worden sind. Oder hat irgendwer schon mal miterlebt, dass es seitens der uniformierten WL-Mitarbeiter oder deren getarnten Schwarzkappler-Kollegen eine entsprechende Verwarnung bzw. Abstrafung gegeben hätte? Aber wehe, man hat seine Jahreskarte einmal daheim liegen lassen: „Ja, das sagen sie alle!“