Im Alter von etwa zehn Jahren war ich ein ziemlicher Hundenarr. Mein sehnlichster Wunsch war damals, einen Border-Collie zu besitzen. Den hätte ich Lassie genannt, oder auch Bessie, nach dem Titelhelden des bekannten Westerncomics. Auf die Rasse bin ich durch ein Buch gekommen, das ich geradezu verschlungen habe, und das mehrfach: Nop, der Sieger von Donald McCaig. Für meine Eltern war die Sache tabu, und als ich irgendwann von daheim abgenabelt war, wollte ich meine vier Wände doch wieder deutlich lieber mit einem Menschen teilen, der immerhin nicht alles vollhaaren würde. Uninteressant? Wohl, aber mir geht es um diese Feststellung vorab: Ich kann was mit Hunden anfangen; ich hasse sie nicht.
Hier in Wien ist der Hund an sich vielen Leuten mehr wert als jeder Mitmensch – insbesondere falls es sich dabei um ein Kind handeln sollte. Zwar hat sich die Gackerl-Sackerl-Kampagne recht positiv auf das Erscheinungsbild der Straßen ausgewirkt – der langfristige Erfolg konnte zwar in den letzten Monaten durchaus in Frage gestellt werden –, aber seinen liebsten Vierbeiner auf einen Spielplatz kacken oder an Hauswände, Autos und Fahrräder strullen zu lassen ist für manchen Zeitgenossen nach wie vor ein Kavaliersdelikt. Wenigstens hält sich der persönliche Schaden in Grenzen, wenn man als Hausbesitzer, Radler oder Fußgänger damit konfrontiert wird: Ekel und Ärger bringen einen kaum um.
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Die Freiheitlichen, die ich meine: Susanne Winter, aufgrund diverser rassistisch durchsetzter Meinungsäußerungen zu peinlicher Bekanntheit gelangt, rotiert wieder. Diesmal geht es gegen das Terrorismuspräventionsgesetz 2010 (Anm: Nein, dabei handelt es sich nicht um erste Schritte zu einem Verbot der FPÖ!), das momentan in Arbeit ist. Genau gesagt, geht es um ein „Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch zur Verhinderung von Terrorismus geändert wird“. Das Strafgesetzbuch soll damit unter anderem durch die folgenden Zeilen ergänzt werden – und zwar nicht in § 281, wie der blaue Parlamentsklub schreibt, sondern in § 283:
„(1) Wer öffentlich zu Gewalt oder Hass oder auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, zu einer sonstigen feindseligen Handlung gegen eine nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.
(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentlich eine der in Abs. 1 bezeichneten Gruppen in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft oder verächtlich zu machen sucht.”
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Müßig, das zu betonen, aber Alfons Haider ist selbstverständlich nicht der Heimatvernaderer, als der er in der FPÖ gehandelt wird. Wir erinnern uns: Am Donnerstagabend (Ausstrahlungstag) war der beliebte Entertainer, Schauspieler und Moderator zu Gast bei Dirk Stermann und Christoph Grissemann, deren Late-Night-Show Willkommen Österreich schon früher für Ablehnung bei den blauen (und orangen) Ex-, Noch- und Wieder-Anhängern des anderen großen Unterhaltungskünstlers mit dem Familiennamen Haider sorgte.
Das Duo Stermann/Grissemann thematisierte (Alfons) Haiders Homosexualität, befragte ihn zum mittlerweile zwölf Jahre zurück liegenden Outing. Nein, er würde es heute nicht mehr tun, in erster Linie aus Rücksicht auf seine Mutter, die damals Opfer einer Prügelattacke geworden ist, „und eine gebrochene Rippe hatte, weil der Bua eine schwule Sau ist“, so Haider. Wenige Sekunden zuvor waren die Worte gefallen, an denen sich die üblichen Verdächtigen, es war zu erwarten, nun erzürnen: Mehrere Jobs habe er damals verloren, sei auch beim ORF rausgeflogen und hatte es ein Jahr lang sehr schwer. Warum? „Weil wir in einem verlogenen, verschissenen Land leben“, in dem die innerfamiliäre Brutalität – weil viele wissende „G’fraster“ sich nicht einmischen – überproportional hoch sei, in dem „Flüchtlinge wie Tiere behandelt und wieder ausgesiedelt werden“, brach es aus ihm heraus: „Das ist alles dieses coole, wunderbare Österreich.“ Aber: „Ich liebe es trotzdem.“
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Ich habe einen Traum: Dass der Schotter, der auf die Herzen der Entscheidungsbefugten drückt, endlich abbröckle, und sie, von dieser Last befreit, zu neuer Einsicht finden. Ihrer seelischen Verhärtung beraubt, mögen sie die nämliche Tatsache bedenken, dass das Gros der angeblich unrechtmäßig im Land weilenden Menschen „über keine juristische Ausbildung verfügt“, welche ihnen die möglichen Konsequenzen einer Integration ohne entsprechende (papierene) Befugnis erahnbar gemacht hätte, als sie den ersten Schritt in dieses Land taten. Es möge diesen oft gescholtenen Menschen nicht weiter vorgeworfen werden, die Flucht aus Krieg und Elend als ihr gutes Recht betrachtet zu haben, ein besseres Leben für ihre Familien gesucht zu haben, und nicht an Grenzen geglaubt zu haben. Man verzeihe ihnen, die durchaus vertretbare Ansicht, dass diese Welt uns allen gehöre, „unreflektiert als richtig zur Kenntnis genommen“ zu haben. – Das ist mein Traum, sprach der gute Mensch.
Zur Vertiefung: profil online / falter.at