Trent Reznor hat es geschafft, nach vielen rechtlichen Wirren sein eigenes Werk, das Debüt-Album der einzigartigen Nine Inch Nails, zu restaurieren. Das Alter war der ursprünglichen Version von Pretty Hate Machine (1989) deutlich anzuhören, wenngleich der etwas dumpfe Klang auch seinen Charme hatte. Geschenkt: Head Like A Hole, Terrible Lie, Sin und sieben weitere, hinlänglich bekannte Songs (plus Bonustrack) gilt es nun neu zu entdecken.

Im tödlich komprimierten 128er-mp3-Format wird freilich wenig Unterschiedliches zu hören sein, aber mit der passenden Stereoanlage bzw. guten Kopfhörern wird man in der Fülle bisher nicht beachteter Details eine Weile sein Glück finden. Streckenweise klingt das Album wie eine harte Version der (damaligen) Depeche Mode; aber der Weg, den Reznor mit Platten wie The Downward Spiral (1994) und dem Opus magnum The Fragile (1999) einschlug, ist vorgezeichnet. Besonders schön: Something I Can Never Have gewinnt gegenüber der Still-Version (2002) an Relevanz.

(10 Punkte)

Mit seinem siebten Album startet Damon Gough eine Trilogie mit dem Titel It’s What I’m Thinking. Teil eins, Photographing Snowflakes, zeigt den Badly Drawn Boy größtenteils von seiner ruhigsten Seite. Bisweilen darf man sich wieder an Beck erinnert fühlen, mit dem der englische Musiker schon zu Zeiten seines Debüts, vor mittlerweile zehn Jahren, verglichen wurde. Konkret an dessen Alben Sea Change (etwa bei BDB-Songs wie The Order Of Things, Too Many Miracles oder You Lied) und Modern Guilt (bei This Beautiful Idea).

Dabei reichen die Tracks nicht an frühere Großtaten Goughs heran – etwa den Soundtrack zu About A Boy oder Have You Fed The Fish? –, die am ehesten noch von den etwas flotteren Stücken I Saw You Walk Away und This Electric erreicht werden. Für die Bonus-CD der Deluxe-Version, die alle zehn Songs (teils mehrfach) in überarbeiteten Versionen versammelt, die zusammen mit andere Künstlern zustande kamen, gibt es einen Extrapunkt. Solide, aber in Teil zwei und drei ausbaufähig.

(8 Punkte)

Man würde es glauben, wenn auf der Platte Travis stünde: Fran Healy liefert wenig Neues, und das ist gut. Wenn man freilich genauer hinhört, das Album auf sich wirken lässt, tritt der eine oder andere Moment zutage, den seine wunderbare Stammband vielleicht auffrisiert bzw. elektrifiziert hätte. Vor allem, wenn man an Ode To J. Smith aus 2008 denkt, auf dem sich Travis für ihre Verhältnisse sehr extrovertiert extravertiert gaben.

Healy knüpft eher an eine frühere Phase an, ca. 1999 bis 2003. Die Melancholie eines Why Does It Always Rain On Me ist dann auch öfter spürbar: Sing Me To Sleep (im Duett mit Neko Case), Buttercups, In The Morning und Anything zählen zu den Highlights. Von der Kollaboration mit Paul McCartney, der bei As It Comes Bass spielte, ist Healy dermaßen begeistert, dass der Song als Hidden Track in einer anderen Version noch einmal auftaucht. Der „European Bonus Track“ Sierra Leone ist toll, der japanischen Zugabe Robot aber an Coolness etwas unterlegen. Ein nahezu perfektes Album.

(8 Punkte)

Ein gutes Vierteljahrhundert Österreich: Die Nachwehen der Waldheim-Affäre, das Erstarken der extremen Rechtspartei(en), Studentenproteste und Kirchenkrisen – aus der Sicht eines deutschen Zuwanderers verlieren die Themen an Bedeutung. Über all dem schwebt der ewige Triumph der Alpenrepublik, die Deutschen 1978 im argentinischen Córdoba durch ein 3:2 aus der Fußball-WM gekickt zu haben: Ein Jahrhundertereignis, das die nördlichen Nachbarn nie so schmerzte, wie man es hierzulande zu wissen meint. Dirk Stermann, seit den frühen 90er-Jahren als alemannische Hälfte des Komikerduos Stermann & Grissemann aus Funk und Fernsehen bekannt, hat seinen Migrationshintergrund in Buchform gebracht. 6 Österreicher unter den ersten 5. Roman einer Entpiefkenisierung nennt sich das Werk, das in mancherlei Hinsicht mit den Erwartungen der Fangemeinde bricht.

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Ein blechernes Dröhnen. Klaviertöne, unter die sich ein brummender Bass mischt: Kenner wird Hand Covers Bruise an Ghosts erinnern, den Instrumentalzyklus, mit dem Trent Reznor 2008 begeisterte – sein letztes Meisterwerk. Nach dem halbgaren – aber kostenlosen – letzten Nine Inch Nails-Album The Slip und dem Projekt How To Destroy Angels produzierte er nun den Soundtrack zum neuen David-Fincher-Film The Social Network. Zusammen mit Atticus Ross, der immer wieder an NIN-Platten mitwirkte, gestaltet Reznor den Score des wohl heißesten Films dieses Herbstes: Geht es doch um den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Der Score ist wie Ghosts ein Album, auf dem die Vocals fehlen, ohne abzugehen. Neben typischen NIN-Elementen finden sich an die Chemical Brothers erinnernde Soundcollagen, die im Unterschied zu dem, was die Dust Brothers vor elf Jahren zu Finchers Fight Club beisteuerten, auch eigenständig, ohne Bilder, funktionieren. Insbesondere das Cover von Edvard Griegs Mountain King begeistert.

(7 Punkte)

Hörproben (mp3-Downloads) der genannten Alben & Projekte gibt es hier.

Eine ziemlich lässige Version des Grieg-Stücks bietet dieser junge Mann.