Einen günstigeren Zeitpunkt für diese Buchveröffentlichung hätte es kaum geben können: Just als sich Mitte März die bis heute aktuelle Kirchenkrise einem ersten Höhepunkt näherte – der dringenden Frage, ob vielleicht sogar der heutige Papst Fälle von priesterlichem Kindesmissbrauch gedeckt hat –, kam Wolfgang Bergmanns Romanerstling Die kleinere Sünde heraus. Ein Glücksfall für den Autor und seinen Verlag, denn so etwas lässt sich schlecht planen, wenn man die Vorlaufzeiten einer ordentlichen Buchproduktion bedenkt. Der Hinweis auf dem Buchumschlag, dass die vorliegende Handlung „frei erfunden“ sei, „soweit sie nicht auf Tatsachen beruht“, kann allerdings nicht von der Vermutung eines Schlüsselromans ablenken, in dem – einmal mehr, einmal weniger offensichtlich – in reale Skandale verwickelte Personen beschrieben sind. „Im Grunde sind Bücher etwas für den Nachlass“, heißt es in diesem Sinn bereits auf der ersten Seite, „du machst dir nur Schwierigkeiten, wenn du publizierst, solange du lebst. Alle, die du kennst, werden versuchen, sich wiederzufinden.“

Weiterlesen…

Fast zehn Jahre nach der so genannten (von Josef Kleindienst losgetretenen) Spitzelaffäre – wer erinnert sich? – scheint nun endlich ein FPÖ-Funktionär über eine illegale Ekis-Abfrage zu stolpern. Man könnte fast glauben, dass sich in diesem Land etwas geändert hat, seit Jörg Haider vom damaligen Justizminister als „über jeden Verdacht erhaben“ bezeichnet worden ist.

Damals wurden freilich unerlaubte Abfragen über Dritte getätigt, um diese – in der Regel als (politische) Gegner betrachtete – Personen nachhaltig zu schädigen; dafür mussten keine Köpfe rollen. Diesmal sei nur der Fall, dass die solcherart erhaltenen Informationen vom geständigen Parteimitglied zu dessen persönlichen Vorteil verwendet worden sind; der Kerl steht nun vor Gericht. Wer tatsächlich den Unterschied in der Sache erkennt, möge mir bitte aushelfen: Ist diese Abfrage noch illegaler als die vorhergehenden? Gibt es überhaupt einen Komparativ von „illegal“?

Weiterlesen…