Es ist ein bisschen ein Trauerspiel. Einerseits gelingt es dieser von mir einst vergötterten Band tatsächlich, an alte Stärken anzuknüpfen; zugleich gibt es auf Remember Who You Are aber so wenig Neues zu hören, dass man wohl auch künftig lieber die 90er-Jahre-Scheiben auflegen wird.

Natürlich: Die musikalischen Tiefen, in die Jonathan Davis & Co. ab Untouchables (2002) vorgedrungen sind – wobei immer wieder einzelne tolle Tracks auf den Platten waren – scheinen weit entfernt. Aber Songs wie Oildale, Pop A Pill (trotz dem tollen Bassriff!) und Let The Guilt Go fehlt schlicht der letzte Funke Wahnsinn, der große Korn-Hymnen wie Ball Tongue, Shoots & Ladders, No Place To Hide oder A.D.I.D.A.S. geprägt hat. Ganz zu schweigen von dem dreckigen Dutzend an Ohrwürmern auf Follow The Leader, ihrem Über-Album.

Und somit liegt die größte Überraschung dieser Platte wohl darin, den (eigentlich immer etwas überschätzten) Klassiker Issues aus 1999 auf Platz 5 meiner Korn-Charts verdrängen zu können.

(5 Punkte)

Zu Zeiten ihres Debüts (Core, 1992) hätte man ob der verbreiteten Kritik, die Stone Temple Pilots (STP) klängen nach einem Abklatsch gerade zu Weltruhm aufsteigender Bands wie Pearl Jam, Soundgarden und weiterer Seattle-Grunger, nicht auf eine lange Karriere der vier Jungs aus San Diego wetten mögen. Natürlich weiß man vor allem im Rückblick ob der Eigenständigkeit des ersten Albums, das mit der Single Plush einen der besten Songs aller Zeiten beinhaltet, aber bereits mit dem 94er-Nachfolger Purple verwiesen sie ohnehin all jene, die es besser zu wissen meinten, in die Schranken: Songs wie Meat Plow, Lounge Fly oder auch die erste Auskoppelung Vasoline bliesen einen schier um. Es folgten drei weitere Alben, mit denen sich die Gruppe zunehmend in Richtung Sixties-Pop /-Rock bewegte – ohne ihre Wurzeln zu verleugnen – und dennoch dann und wann auch wieder gehörig aufs Gaspedal trat.

Weiterlesen…

Die Deftones und ich, wir haben uns schon das eine oder andere Mal auseinander gelebt. 1997 kam mir ein Song der Truppe aus Sacramento, Kalifornien, unter, My Own Summer, der mich genau wie das dazu gehörende Album Around The Fur so ziemlich vom Hocker Riss. Fette, böse Riffs und ein Sänger, der zwischen Kreischen, Keifen, Brüllen und Flüstern hin und her gerissen schien: Chino Moreno. Mit Be Quiet And Drive schafften die Deftones einen veritablen Hit in den Endneunziger-Alternative-Clubs. Die Beschäftigung mit dem zwei Jahre früher erschienenen Debütalbum Adrenaline lohnte sich: Der Weg, den Around The Fur einschlug, war deutlich vorgezeichnet, wenngleich das Stakkato-Riffing, das Gitarrist Stephen Carpenter damals unter etwas roheren Produktionsbedingungen ablieferte, teils richtig fies in die Ohren stach.

Weiterlesen…