Trent Reznor hat es geschafft, nach vielen rechtlichen Wirren sein eigenes Werk, das Debüt-Album der einzigartigen Nine Inch Nails, zu restaurieren. Das Alter war der ursprünglichen Version von Pretty Hate Machine (1989) deutlich anzuhören, wenngleich der etwas dumpfe Klang auch seinen Charme hatte. Geschenkt: Head Like A Hole, Terrible Lie, Sin und sieben weitere, hinlänglich bekannte Songs (plus Bonustrack) gilt es nun neu zu entdecken.
Im tödlich komprimierten 128er-mp3-Format wird freilich wenig Unterschiedliches zu hören sein, aber mit der passenden Stereoanlage bzw. guten Kopfhörern wird man in der Fülle bisher nicht beachteter Details eine Weile sein Glück finden. Streckenweise klingt das Album wie eine harte Version der (damaligen) Depeche Mode; aber der Weg, den Reznor mit Platten wie The Downward Spiral (1994) und dem Opus magnum The Fragile (1999) einschlug, ist vorgezeichnet. Besonders schön: Something I Can Never Have gewinnt gegenüber der Still-Version (2002) an Relevanz.
(10 Punkte)
Die Richtung ist mit dem ersten Beat klar: Trent Reznor bleibt sich treu. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mariqueen Maandig, die bei den sechs Tracks der selbstbetitelten EP die Vocals übernahm, macht er mit How To Destroy Angels dort weiter, wo die Nine Inch Nails (NIN) mit The Slip zuletzt standen. 2008 war das, und schon damals hat Reznor – das zweite Mal innerhalb weniger Wochen – seine Musik gratis zum Download hergegeben, um einige Zeit später auch den physischen Tonträger überaus erfolgreich zu verkaufen.
So läuft es auch diesmal – wobei fraglich bleibt, ob der geneigte Fan für die vorliegende Veröffentlichung (viel) Geld ausgeben wird. Der Sound entspricht einem Mix aus The Fragile (1999), Year Zero (2007) und Ghosts (2008). The Space In Between sowie Fur Lined und A Drowning ragen heraus, der Rest ist zumindest ordentlich. Als Einstand des Projekts mehr als okay, und natürlich auf hohem Niveau. Dennoch haben wohl Reznors ältere Platten (bis 2005) eine etwas längere Halbwertszeit.
(6 Punkte)
1999 waren Filter für kurze Zeit die beste Band der Welt: Mastermind Richard Patrick, zuvor für Trent Reznors Nine Inch Nails im Einsatz, toppte im August das Debüt Short Bus, das die Band mit der Single Hey Man, Nice Shot zu den Lieblingen des radiotauglichen Industrial gemacht hatte. Pop-Arrangements unterwanderten den beinharten Rock, und Patrick machte fast zur Regel, was vorher Ausnahme war: das Schmachten und Säuseln. Dennoch waren auch Riff-orientierte Headbanger keine, die sich für den Besitz der Platte schämten: Songs wie Skinny, I Will Lead You oder Welcome To The Fold ermöglichten den Spagat zwischen den Lagern. Das Herz des Albums stellt aber das Triptychon aus It’s Gonna Kill Me, The Best Things und Take A Picture dar, das einen auch heute noch auf eine höhere Bewusstseinsebene zu heben vermag.
Vier Wochen nach Title Of Record brachte Reznor The Fragile auf den Markt: Eine Benchmark, von der sich der Ex-Chef genau wie sein Lehrbub seitdem leider weit entfernt haben.
(9 Punkte)