Einer Freundin war zu Ohren gekommen, „dass du mit dinam Kind ger koan Dialekt redescht“. Dabei wäre das doch, im Sinne der Vielsprachigkeit, ein immenser Vorteil für dessen Zukunft. „Beruhig di“, versuchte ich abzuwehren, und verwies darauf, dass ich mit Wörtern wie Käsknöpfle (statt fürchterlichen Ausdrücken wie Kasspätzle / -nock’n / -nudl’n), tschutta und Gofa (in Wien: Gschropp’m) selbstverständlich auf einen weltgewandten Sprachgebrauch meiner Tochter hin arbeite. Englisch, Türkisch und Serbokroatisch lernt sie dazu noch im Kindergarten, wie ich wohlwollend über viele Lieder und Gedichte wahrnehme, und damit wäre ein Grundstock für jede vorstellbare Karriere im In- und Ausland gelegt.
Man kann bei Markus Köhles Dorfdefektmutanten an die Piefke-Saga denken und liegt damit gar nicht so falsch, denn auch in diesem „Heimatroman“ geht es um den Blick hinter die Kulissen des Tourismuswahns.
Der Held der Geschichte kehrt, nachdem er am Studium in Wien gescheitert ist, in seinen Heimatort zurück, wo er sich als Hausmeister in einer Autobahnraststätte verdingt. Der aktuellen Geschehnisse gibt es wenig erwähnenswerte, der Protagonist hängt vielmehr seiner Jugend(liebe) nach, die er mit dem besten Freund Klaus teilte. Mit dem Leben als Fachmann für alles – Reparaturen in Haus und Hof, Schneeschippen, die Versorgung gestrandeter Snowboarder – hat er sich arrangiert, Hobbys gibt es vor allem zwei: Internetkontakte und das Fotografieren der von Gästen verunreinigten Toiletten.
Viel Lärm um Nichts
Jan 26
Alle paar Jahre wieder, so scheint es, muss hierzulande über den Text der Bundeshymne gestritten werden. Da werden Söhne gegen Töchter und Väter gegen Mütter ausgespielt, ein Kampf der Geschlechter. Dabei wäre alles so einfach. Ein Reformvorschlag, basierend auf dem offiziellen Text:
Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich.
Heimat, bist du großer Menschen,
Volk, begnadet für das Tschentschen,
Vielgerühmtes Österreich,
Vielgerühmtes Österreich.
Seine Frau ist Malerin, er selbst bezeichnet sich als „politischer Journalist mit Hang zum Feuilleton“ und „überhaupt zu unerwiderter Liebe“. Eine solche führt auch zu den Geschehnissen, die Armin Thurnher, hauptberuflich Chefredakteur des von ihm mitbegründeten FALTER, in seinem ersten Roman schildert. Der Erzähler Thurnher wohnt einer Ehrung des Pianisten Alfred Brendel bei; diesem wird der Beethoven-Ring verliehen – wir schreiben das Jahr 2001. Lange hat es der Journalist nicht gewagt, den Musiker um ein Interview zu bitten, trotz seiner Verehrung für ihn. Oder „gerade deswegen“, wie der Waschzettel dem Leser nahe legt. Diesmal jedoch mischt er sich mit genau diesem Vorhaben unter die Gratulanten – und wird abgewiesen. Die Niederlage zur Kenntnis nehmend, kann er Brendel immerhin für einen Text interessieren, den er wenige Wochen davor zu dessen 70. Geburtstag veröffentlicht hat. Und legt mit der Übermittlung des Artikels den Grundstein zu einer Reihe von Verfehlungen.