Freitagabend, Weihnachtsgetümmel, Tausende auf dem Weg. Fluchtgedanken: Musik im Ohr: Cut Like A Buffalo. Als dich plötzlich dieser Kerl anstarrt, steigt deine Laune nicht unbedingt. Du willst dich schon wegdrehen, als du, spät aber doch, unter der dicken Pudelmütze, hinter dem hochgeschlagenen Mantelkragen, deinen guten Freund erkennst. Der eigentlich tausende Kilometer entfernt, in London sein sollte. Und sich nun hier in Wien antreffen lässt, wo er für lausige 24 Stunden zu Gast ist. Du erkennst nun auch, bei wem – er hat seine Schwester im Schlepptau, die Gute.

Freude!

Lange ist es her, doch sofort ist alles beim Alten. Man tauscht die aktuelle Lebenssituation aus (der eine ist verheiratet, der andere Vater – das ist nichts Neues, aber birgt hohes Geschichtenpotenzial). Man erläutert die politischen Verhältnisse da wie dort. Und landet schließlich genau da, wo man irgendwann, vor Ewigkeiten, am engsten miteinander war: in der Schule. Was dieser, was jene mache? Ob diese, ob jener gut gealtert ist? Die Band damals – wir waren so gut! (Wir waren SO gut!!!)

Der Abschied, viel zu bald. Eine Stunde nur und dann: Auf Wiedersehen, alter Freund!

(Auf Wiedersehen!)

Ich mag die Schweizer – nicht zuletzt wurde ich in meinen frühen Wiener Tagen immer wieder selbst für einen gehalten. (Ja, das kann man sich zehn Jahre später gar nicht mehr vorstellen, ich weiß.)

Hier im Osten meinte man früher ohnehin, dass so gut wie alle Vorarlberger zum Hackeln in die Schweiz gingen. Es waren wohl auch einmal eine ganze Menge – aber so wie noch vor dreißig Jahren rentiert sich das heute nicht mehr. Mittlerweile werden die Österreicher dort zum Teil ja schon weggeschimpft: „Ihr nehmt uns unsere Arbeitsplätze weg“, das sei kein so seltener Vorwurf, wie ich mir habe sagen lassen. Von daher haben diese Vorarlberger Grenzgänger wohl einen Eindruck davon, was hierzulande Türken, Serben, Kroaten etc. durchmachen müssen. Unangenehm, aber nicht uninteressant.

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Vor einigen Tagen fiel mir eine längst vergessene CD wieder in die Hände: AKTE Xsiberg – FBI-Agentin Dana Scully ermittelt in Vorarlberg. Es handelt sich dabei um die Aufnahme eines spannend-amüsanten Abends, am 15. Oktober 1999, zu dessen gelingen ich mit einer Kurzgeschichte beitragen durfte. Die Marktgemeinde Götzis hatte einige Wochen vorher „junge Leute zwischen 14 und 26 Jahren“ dazu aufgerufen, sich literarisch mit dem Übernatürlichen zu beschäftigen. Einzige Einschränkung: „Schauplatz irgendwo in Vorarlberg.“

Die zehn gelungensten Beiträge wurden von Franziska Pigulla vorgelesen – der deutschen Synchonsprecherin von Akte-X-Star Gillian Anderson/Dana Scully – und von Jens Fischer musikalisch untermalt. Ich ging an diesem Abend nicht als Sieger nach Hause, aber als einer von neun weiteren Gewinnern – abgesehen vom ersten Platz wurde keine Reihung vorgenommen.

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An und für sich wäre die Sache jetzt einfach, habe ich mir bei der heutigen Medienlektüre gedacht: Nachdem Innenministerin Maria Fekter zuletzt darauf bestanden hat, über die Intervention des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hinweg zu sehen und weiterhin Menschen (auch) nach Griechenland abzuschieben, müsste die gerne als „links-links“ beschimpfte Minderheit hierzulande dazu übergehen, ihre Schützlinge vorausschauend zu kennzeichnen: mit der Zahl des Tiers. Immerhin ist die griechisch-orthodoxe Kirche gewillt, die berühmte Sechshundertsechsundsechzig möglichst aus ihrem Einflussbereich zu tilgen: Sie habe sich total gegen die „Teufelszahl“ ausgesprochen, wie derstandard.at schreibt. Was läge demnach näher, als die Tatoonadeln auszupacken und…

Halt: Wir wissen, so würde es nicht funktionieren. Notfalls droht die Abschiebeliga nämlich mit dem Veto gegen allfällige künftige Finanzhilfen, und dann achten die Hellenen auch nicht mehr auf Kleinigkeiten wie die apokalypsebeschwörende Zahlenkombination

Überhaupt sollte man die oben genannte Phantasie am besten gleich wieder verräumen. Gerade in Anbetracht der Aussichtslosigkeit könnten sich sonst durchaus ein paar rechte Recken dafür begeistern…

Das wird jetzt einige schockieren, aber ich hatte in den zehn Jahren, die ich bereits in Wien lebe, nur einmal Heimweh. Und das war voriges Jahr im Sommer. Unser aller Lieblings-Sportler, der gute Toni Innauer, hatte einen Artikel über s’Ländle geschrieben, der mir zufällig vor die Brillengläser kam. Ich las von seiner Jugend im Bregenzer Wald, frischte meine Erinnerung an die in Kindertagen vernommene Legende vom Innauerschen Gasthof auf – inzwischen von Antons Schwester Berghild geführt – und erfreute mich an Schilderungen der Vorarlberger Küche. Am meisten beeindruckten mich aber die wunderbaren Fotografien der Wälder Landschaft, die die Geschichte illustrierten. Da spürte ich einen Stich im Herzen und sehnte mich ein, zwei Tage dahin zurück.

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