Ja, es war ein schwacher Ruf, auch wenn er laut durch das Festzelt schallte: „Wer Achtjährige wie Terroristen behandelt, der tickt nicht richtig“, stellte der Wiener Bürgermeister am Freitagabend in mittlerweile gewohnt rüdem Ton fest. Ein Problem dabei: Dieser Ton, der im Fall der jüngsten Unmenschlichkeit auf Basis österreichischer Gesetzgebung nicht unpassend war, unterschied sich kaum von der Frage Michael Häupls wenige Wochen zuvor, ob die amtierende Wissenschaftsministerin Beatrix Karl „wo ang’rennt“ sei. Damals ging es um die von ihr angesprochene Möglichkeit, künftig Universitäten bzw. Universitätsinstitute/-fakultäten zu schließen – eine Option, die mittlerweile auch Unirektoren erwägen.
Eine grosze Schweinerei
Aug 5
An der Uni Wien habe ich vor Jahren ein Proseminar besucht, indem es um das Judentum ging. Als Jörg Haider in jenen Tagen seinen legendären rhetorischen Ausritt gegen Ariel Muzicant beging, den Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinde Wien, nannte der vortragende Professor ihn ob dessen andauernden Jonglierens mit antisemitischen Klischees ein Schwein. Einige Wochen später sollten wir dem Lehrveranstaltungsleiter schriftlich Rückmeldung ob unserer Zufriedenheit mit seiner Arbeit geben, was natürlich auch anonym möglich war; und, klar, zumindest eine Stellungnahme zur Chose war mit dabei: Es ginge nicht an, einen (renommierten) Politiker solcherart zu beschimpfen – bei aller gerechtfertigten inhaltlichen Kritik. Was machte der Professor? Er wiegte seinen Kopf, er strich sich über seinen Schnurrbart und stimmte dem Kritiker zu – nur um sogleich festzustellen, dass ein Schwein nun Mal einfach ein Schwein zu nennen sei. Punktum.
Das Bilderverbot, das ich diesem Weblog auferlegt habe, werde ich auch für Big DnC nicht brechen, weshalb der geneigte Leser an dieser Stelle keine Einbettung, sondern nur einen Verweis auf dessen durchaus amüsantes (und handwerklich gelungenes) „Skandalvideo“ findet.
Wir erinnern uns: Vor wenigen Tagen begann sich die FPÖ nach einem Bericht im Österreich-Blatt’l darüber zu empören, dass der heute 16-Jährige in dem Song Na C.-Strache ihren aktuellen Parteichef disst – eine Mischung aus sachlicher Kritik und wüsten Schimpftiraden. „Der Song hat harte Texte, aber so ist Hip-Hop eben“, stellte der Künstler fest, als er Dienstagabend bei der Sendung Talk of Town des Wiener Stadtsenders Puls4 zu Gast war (hier abzurufen). Wannabe Strache habe einen Rap gemacht (naja, eher: verbrochen; es handelte sich um einen Track im NR-Wahlkampf 2006, das Konzept wurde zur EU-Wahl 2009 aufgewärmt und ist wahrlich keinen Link wehrt) „und ich hab einen Rap gemacht“, verklickerte Big DnC den Mitdiskutanten Johann Gudenus, Ehrenobmann des Rings Freiheitlicher Jugend, und Peko Baxant, Jugendkoordinator der Wiener SPÖ.
Selbstreflexion?
Feb 9
„Es ist auch moralisch verwerflich, wenn einer, der als [Politiker] grandios gescheitert ist und bisher noch nicht viel zusammengebracht hat, sich auf meine Kosten, zu Lasten meiner Person, zu profitieren (!) versucht und Geld mit mir macht. Das lass ich nicht zu!“ – Man könnte meinen, Stefan Petzner schilt sich selbst für die peinlichen Ausnahmesituationen, in die er sich – scheinbar in immer kürzeren Abständen – regelmäßig manövriert. Aber nein, das in einem Wort veränderte Zitat zielte in Wirklichkeit auf den liebsten Feind David Schalko ab, „der als Künstler grandios gescheitert“ sei, wie Petzner meint.
Immer noch geht es um die Weiße Nacht, Ruhe wird wohl frühestens nach dem Gerichtsprozess am 19. Februar einkehren. Und was schon bisher im Raum stand, wird eben von der deutschen Kulturzeit bestätigt: Petzner klage „nicht auf ein Verbot“ des Buches, sondern er wolle erlittenen Schaden ersetzt haben: „Tantiemen sozusagen – und einen kleinen Zipfel vom Ruhm“, wie 3sat heute verdeutlichte. Es ist ihm also – zum Beispiel – wurscht, dass die an ihn angelehnte Figur (angeblich) einen melonenförmigen Kopf hat. Nun, dann wird der seelische Schmerz wohl nicht all zu tief sitzen. Ein leichtes Spiel für Schalko und seinen Verlag.
Ach ja: „Das kann man als aufrechter Demokrat nicht zulassen“, wird das BZÖ-Anhängsel in diesem Zusammenhang weiter zitiert. Und wieder erwartet man ihn ob seines politischen Wirkens mit erhobenem Zeigefinger vor dem Spiegel stehend…
Den Tag neu bewerten!
Jan 26
Im Vorfeld hielt sich das Land in angenehmer Weise zurück, aber wie wird Kärnten auf diesen 26. Jänner tatsächlich reagieren? Schließlich handelt es sich um den Geburtstag des Klagenfurter Sonnengottes. Sechzig Jahre wäre er jetzt geworden, wenn nicht – eh schon wissen. Ein Skirennen soll es geben, und auch die Bauernmusi sei schon bestellt; das immerhin. Von all zu großem Klimbim könnte man also mit etwas Glück verschont bleiben.
Doch das Volk am Wörthersee darf man erfahrungsgemäß nicht unterschätzen. Irgendein Brösel wird schon vermeldet werden, von wegen „großer Politiker“, „geliebter Landesvater“ oder dem Weg, dem es in seinem Andenken weiter zu folgen gelte, ob dieser nun blau, orange, braun, türkis oder rosa angeschmiert sei. Irgendein einfaches Gemüt wird schon nochmal aufmucken gegen den „Wiener Wasserkopf“, den israelischen Geheimdienst, die sozialistische Weltverschwörung der Freimaurer etc, – wetten? (Wie gerne würde ich allerdings dieses eine Mal unrecht haben…)