An der Uni Wien habe ich vor Jahren ein Proseminar besucht, indem es um das Judentum ging. Als Jörg Haider in jenen Tagen seinen legendären rhetorischen Ausritt gegen Ariel Muzicant beging, den Präsidenten der Israelischen Kultusgemeinde Wien, nannte der vortragende Professor ihn ob dessen andauernden Jonglierens mit antisemitischen Klischees ein Schwein. Einige Wochen später sollten wir dem Lehrveranstaltungsleiter schriftlich Rückmeldung ob unserer Zufriedenheit mit seiner Arbeit geben, was natürlich auch anonym möglich war; und, klar, zumindest eine Stellungnahme zur Chose war mit dabei: Es ginge nicht an, einen (renommierten) Politiker solcherart zu beschimpfen – bei aller gerechtfertigten inhaltlichen Kritik. Was machte der Professor? Er wiegte seinen Kopf, er strich sich über seinen Schnurrbart und stimmte dem Kritiker zu – nur um sogleich festzustellen, dass ein Schwein nun Mal einfach ein Schwein zu nennen sei. Punktum.

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Mit zwölf Jahren schrieb ich Briefe an Arnold Schwarzenegger, später an Nirvana und Selig; deren sicherlich ausführliche Antworten kamen nie an, dafür die Autogrammkarten der Fantastischen Vier – und von Thomas Klestil. Ja, ich habe mich früh für Politik interessiert, aber der amtierende Bundespräsident war mir, was seine Funktion wie auch seine Person betraf, um 1992 herum doch noch ziemlich egal; jedoch, so mein Gedanke: Die Unterschrift des höchsten Amtsträgers der Republik – damit sollte man beeindrucken können! Wen auch immer.

Eine wirkliche Sammlerleidenschaft entwickelte sich daraus nicht, wenngleich ich mir das Selig-Autogramm bei einem Konzert 1996 doch noch holte, und im Lauf der Zeit die Unterschriften von Walter Schiejok und Paradise Lost sowie ein Drumstick des Sepultura-Gitarristen (kein Fehler!) Andreas Kisser meine Jugendzimmerwand zierten. Für das verschwitzte T-Shirt von Billy Joe Armstrong war ich beim Konzert in Konstanz 1997 um einen Sekundenbruchteil zu langsam, aber das habe ich nie wirklich bereut.

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Seine Frau ist Malerin, er selbst bezeichnet sich als „politischer Journalist mit Hang zum Feuilleton“ und „überhaupt zu unerwiderter Liebe“. Eine solche führt auch zu den Geschehnissen, die Armin Thurnher, hauptberuflich Chefredakteur des von ihm mitbegründeten FALTER, in seinem ersten Roman schildert. Der Erzähler Thurnher wohnt einer Ehrung des Pianisten Alfred Brendel bei; diesem wird der Beethoven-Ring verliehen – wir schreiben das Jahr 2001. Lange hat es der Journalist nicht gewagt, den Musiker um ein Interview zu bitten, trotz seiner Verehrung für ihn. Oder „gerade deswegen“, wie der Waschzettel dem Leser nahe legt. Diesmal jedoch mischt er sich mit genau diesem Vorhaben unter die Gratulanten – und wird abgewiesen. Die Niederlage zur Kenntnis nehmend, kann er Brendel immerhin für einen Text interessieren, den er wenige Wochen davor zu dessen 70. Geburtstag veröffentlicht hat. Und legt mit der Übermittlung des Artikels den Grundstein zu einer Reihe von Verfehlungen.

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