Bundespräsident Heinz Fischer hat „seine Sache sehr ordentlich gemacht“, bestätigt ein weiterer Präsident, der sich um die Verlängerung seiner Amtszeit wenig sorgen muss – nämlich jener der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl –, im Standard. Zwar sei er mit der Meinung, dass die ÖVP auf eine Kandidatur verzichten solle, in der Partei lange Zeit allein gewesen; dann aber wurde daraus doch „die Mehrheitsmeinung“. Ausschließlich „wegen eines Achtungserfolgs anzutreten ist – auch wegen der Kosten – nicht sehr ratsam, das bringt nichts“, weiß Leitl. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll nennt das, was am Donnerstagnachmittag von seinem Neffen, Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll verkündet werden soll, zwar „einen strategischen Fehler“. Aber wie sollte gerade er, der eigentlich selbst angetreten wollte, nur leider viel zu früh und – auch ein „strategischer Fehler“ – auf einem Ticket der Kronenzeitung bereits im Juni 2009 einen entsprechenden Vorstoß wagte (oder meinetwegen in den Ring gestoßen wurde), auch anders agieren?
Oh du Zivi mein!
Feb 3
Immer wieder hilfreich, wenn man sich von alten Dingen nicht trennt: Aus aktuellem Anlass also Mal schnell die Zivi-Unterlagen rausgesucht, und was lese ich da? Natürlich hab’ ich damals im 97er-Jahr vor der Stellungskommission unterschrieben, „die Wehrpflicht nicht erfüllen zu können“, weil ich es – „von Fällen der persönlichen Notwehr oder Nothilfe abgesehen – aus Gewissensgründen ablehn(e), Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden, und daher bei Leistung des Wehrdienstes in Gewissensnot geraten würde“. Das kann man Pazifismus nennen und ist eigentlich eine ganz noble Angewohnheit; dass ich darum scharf darauf gewesen wäre, „Zivildienst leisten zu wollen“, war damals wie heute übertrieben – aber was blieb einem anderes übrig?
Untauglich, also (in erster Linie) körperlich nicht für den Wehrdienst geeignet, waren immer nur jene, die z.B. einen Bauernhof daheim hatten, den sie womöglich noch allein bestellten, oder die seit frühester Jugend professionellen Leistungssport betrieben. Schon seltsam, dachten wir uns bei dem einen oder anderen, als wir nach der Stellung, auf der Heimfahrt von Innsbruck nach Feldkirch (Zwischenstopp: Fohrenburg), gegenseitig in unsere Unterlagen linsten; aber es war dann doch ziemlich egal: Wichtig war uns nur, selbst eine Bescheinigung der absoluten Unversehrtheit mit nach Hause zu bringen. Jene, die der Kommission ihre Selbstmordgedanken bzw. ihren Hass auf Mensch und Gesellschaft dargelegt hatten, ob ernsthaft oder als verzweifelter Versuch, vom Wehr- und damit auch vom Zivildienst befreit zu werden, konnten im besten Fall mit einer Wiederbestellung in zwei Jahren rechnen. (Als potenzielles Kanonenfutter könnte man sie ja vielleicht doch gebrauchen, war unsere Vermutung.)