Zu Zeiten ihres Debüts (Core, 1992) hätte man ob der verbreiteten Kritik, die Stone Temple Pilots (STP) klängen nach einem Abklatsch gerade zu Weltruhm aufsteigender Bands wie Pearl Jam, Soundgarden und weiterer Seattle-Grunger, nicht auf eine lange Karriere der vier Jungs aus San Diego wetten mögen. Natürlich weiß man vor allem im Rückblick ob der Eigenständigkeit des ersten Albums, das mit der Single Plush einen der besten Songs aller Zeiten beinhaltet, aber bereits mit dem 94er-Nachfolger Purple verwiesen sie ohnehin all jene, die es besser zu wissen meinten, in die Schranken: Songs wie Meat Plow, Lounge Fly oder auch die erste Auskoppelung Vasoline bliesen einen schier um. Es folgten drei weitere Alben, mit denen sich die Gruppe zunehmend in Richtung Sixties-Pop /-Rock bewegte – ohne ihre Wurzeln zu verleugnen – und dennoch dann und wann auch wieder gehörig aufs Gaspedal trat.

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1999 waren Filter für kurze Zeit die beste Band der Welt: Mastermind Richard Patrick, zuvor für Trent Reznors Nine Inch Nails im Einsatz, toppte im August das Debüt Short Bus, das die Band mit der Single Hey Man, Nice Shot zu den Lieblingen des radiotauglichen Industrial gemacht hatte. Pop-Arrangements unterwanderten den beinharten Rock, und Patrick machte fast zur Regel, was vorher Ausnahme war: das Schmachten und Säuseln. Dennoch waren auch Riff-orientierte Headbanger keine, die sich für den Besitz der Platte schämten: Songs wie Skinny, I Will Lead You oder Welcome To The Fold ermöglichten den Spagat zwischen den Lagern. Das Herz des Albums stellt aber das Triptychon aus It’s Gonna Kill Me, The Best Things und Take A Picture dar, das einen auch heute noch auf eine höhere Bewusstseinsebene zu heben vermag.

Vier Wochen nach Title Of Record brachte Reznor The Fragile auf den Markt: Eine Benchmark, von der sich der Ex-Chef genau wie sein Lehrbub seitdem leider weit entfernt haben.

(9 Punkte)