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Drei Jahre nach Veröffentlichung hat der Titel eine ganz besondere Bedeutung. Gab Sänger Peter Steele 2005 seinem morbiden Humor Freilauf, indem auf der Band-Website sein Tod verkündet wurde, so kam sein Ableben im April 2010 umso überraschender: keine 50 Lenze, der Mann – ein in seiner physischen Erscheinung für jeden Menschen wie selbstverständlich als unsterblich erkennbarer Hüne. Und dennoch, plötzliches Herzversagen: Dead Again.

Umso mehr erfreut die Vorstellung, dass Steele unlängst Halloween In Heaven feierte und endlich herausfinden konnte ob stimmt, was er 1993 in Christian Woman sang: „Jesus Christ looks like me“. Zum ungeplanten Abschied hinterließ Steele ein Album, das sich auch als Best-of dieser Ausnahmeband verkaufen ließe: Mit einem Hardcore-Riff geht der Titelsong in die Vollen, mit September Sun ist eine geradezu als klassisch zu bezeichnende Type-O-Negative-Ballade dabei, die sich hinter einem Hit wie November Rain (man beachte die Titel!) nicht zu verstecken bräuchte.

(9 Punkte)

Zwei Drittel der restlichen Type O Negative, nämlich deren Gitarrist Kenny Hickey und Drummer Johnny Kelly, treten am morgigen Sonntag mit ihrem vor einigen Jahren gegründeten Nebenprojekt Seventh Void als Vorgruppe von Monster Magnet in der Wiener Arena auf. Anspieltipp: Heaven Is Gone.

Mit seinem siebten Album startet Damon Gough eine Trilogie mit dem Titel It’s What I’m Thinking. Teil eins, Photographing Snowflakes, zeigt den Badly Drawn Boy größtenteils von seiner ruhigsten Seite. Bisweilen darf man sich wieder an Beck erinnert fühlen, mit dem der englische Musiker schon zu Zeiten seines Debüts, vor mittlerweile zehn Jahren, verglichen wurde. Konkret an dessen Alben Sea Change (etwa bei BDB-Songs wie The Order Of Things, Too Many Miracles oder You Lied) und Modern Guilt (bei This Beautiful Idea).

Dabei reichen die Tracks nicht an frühere Großtaten Goughs heran – etwa den Soundtrack zu About A Boy oder Have You Fed The Fish? –, die am ehesten noch von den etwas flotteren Stücken I Saw You Walk Away und This Electric erreicht werden. Für die Bonus-CD der Deluxe-Version, die alle zehn Songs (teils mehrfach) in überarbeiteten Versionen versammelt, die zusammen mit andere Künstlern zustande kamen, gibt es einen Extrapunkt. Solide, aber in Teil zwei und drei ausbaufähig.

(8 Punkte)

Man würde es glauben, wenn auf der Platte Travis stünde: Fran Healy liefert wenig Neues, und das ist gut. Wenn man freilich genauer hinhört, das Album auf sich wirken lässt, tritt der eine oder andere Moment zutage, den seine wunderbare Stammband vielleicht auffrisiert bzw. elektrifiziert hätte. Vor allem, wenn man an Ode To J. Smith aus 2008 denkt, auf dem sich Travis für ihre Verhältnisse sehr extrovertiert extravertiert gaben.

Healy knüpft eher an eine frühere Phase an, ca. 1999 bis 2003. Die Melancholie eines Why Does It Always Rain On Me ist dann auch öfter spürbar: Sing Me To Sleep (im Duett mit Neko Case), Buttercups, In The Morning und Anything zählen zu den Highlights. Von der Kollaboration mit Paul McCartney, der bei As It Comes Bass spielte, ist Healy dermaßen begeistert, dass der Song als Hidden Track in einer anderen Version noch einmal auftaucht. Der „European Bonus Track“ Sierra Leone ist toll, der japanischen Zugabe Robot aber an Coolness etwas unterlegen. Ein nahezu perfektes Album.

(8 Punkte)

Ein blechernes Dröhnen. Klaviertöne, unter die sich ein brummender Bass mischt: Kenner wird Hand Covers Bruise an Ghosts erinnern, den Instrumentalzyklus, mit dem Trent Reznor 2008 begeisterte – sein letztes Meisterwerk. Nach dem halbgaren – aber kostenlosen – letzten Nine Inch Nails-Album The Slip und dem Projekt How To Destroy Angels produzierte er nun den Soundtrack zum neuen David-Fincher-Film The Social Network. Zusammen mit Atticus Ross, der immer wieder an NIN-Platten mitwirkte, gestaltet Reznor den Score des wohl heißesten Films dieses Herbstes: Geht es doch um den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Der Score ist wie Ghosts ein Album, auf dem die Vocals fehlen, ohne abzugehen. Neben typischen NIN-Elementen finden sich an die Chemical Brothers erinnernde Soundcollagen, die im Unterschied zu dem, was die Dust Brothers vor elf Jahren zu Finchers Fight Club beisteuerten, auch eigenständig, ohne Bilder, funktionieren. Insbesondere das Cover von Edvard Griegs Mountain King begeistert.

(7 Punkte)

Hörproben (mp3-Downloads) der genannten Alben & Projekte gibt es hier.

Eine ziemlich lässige Version des Grieg-Stücks bietet dieser junge Mann.

Es ist ein bisschen ein Trauerspiel. Einerseits gelingt es dieser von mir einst vergötterten Band tatsächlich, an alte Stärken anzuknüpfen; zugleich gibt es auf Remember Who You Are aber so wenig Neues zu hören, dass man wohl auch künftig lieber die 90er-Jahre-Scheiben auflegen wird.

Natürlich: Die musikalischen Tiefen, in die Jonathan Davis & Co. ab Untouchables (2002) vorgedrungen sind – wobei immer wieder einzelne tolle Tracks auf den Platten waren – scheinen weit entfernt. Aber Songs wie Oildale, Pop A Pill (trotz dem tollen Bassriff!) und Let The Guilt Go fehlt schlicht der letzte Funke Wahnsinn, der große Korn-Hymnen wie Ball Tongue, Shoots & Ladders, No Place To Hide oder A.D.I.D.A.S. geprägt hat. Ganz zu schweigen von dem dreckigen Dutzend an Ohrwürmern auf Follow The Leader, ihrem Über-Album.

Und somit liegt die größte Überraschung dieser Platte wohl darin, den (eigentlich immer etwas überschätzten) Klassiker Issues aus 1999 auf Platz 5 meiner Korn-Charts verdrängen zu können.

(5 Punkte)