Archiv für die Kategorie ‘ Literatur ’

Mit drei Kurzrezensionen wurde dieses Blog vor 365 Tagen, am 7. Jänner 2010, auf die Welt losgelassen. Im Vorfeld standen mehr als eineinhalb Jahre des Nachdenkens „ob“, sowie ein gutes halbes Jahr, in dem ich mir gewisse Fertigkeiten anzueignen versuchte: HTML, PHP, CSS etc. Schlussendlich kam ich, in diesem Vorhaben mehr oder weniger kläglich gescheitert, auf das wunderbare WordPress-System, und die Sache war geritzt.

Neben dem (mad)-Blog, das eher „seriös“ ausgerichtet sein sollte, bestand einige Wochen lang auch das „Unterwegs“-Blog, in dem ich etwas mehr die Sau raus lassen wollte: Satiren, Glossen etc. Natürlich war das viel zu aufwändig, wie mir bald klar geworden ist – und „Unterwegs“ wurde von (mad) geschluckt. Im Frühjahr, als ich mich nach langem hin und her dazu durchgerungen hatte, wieder an die Uni zu gehen und mich einer höheren geistigen Herausforderung zu stellen, setzte ich auf die Idee eines „Leseblogs“ – [mad vs. Spengler] –, das sich jedoch ebenfalls als viel zu ambitioniertes Projekt heraus stellte. Bloggen, so fand ich in den ersten sechs Monaten heraus, das bedeutet auch und vor allem einmal: lernen.

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Ungleich viel schwieriger als bei den Platten ist es, eine Bestenliste der Bücher 2010 zu erstellen. Zum einen, weil Lesen eine Beschäftigung ist, die man nicht nebenher betreibt – die neue Dead-Weather-Scheibe dagegen kann man durchaus beim Geschirrspülen kennen und schätzen lernen. Zum anderen natürlich, weil es immens teuer ist, in puncto Literatur auf dem neuesten Stand zu bleiben. Selbst, wenn man das eine oder andere Rezensionsexemplar abstaubt. Außerdem steht die „schöne Literatur“ ja immer in Konkurrenz zu den Leseverpflichtungen in Form von Tages- und Wochenzeitungen bzw. Magazinen. (Von den ganzen Online-Medien, die man zumindest streifen sollte, und der Vielzahl an Links, die einem im Lauf der Arbeitswoche um die Ohren fliegen, mal ganz zu schweigen.) Im abgelaufenen Jahr kam der Umstand der beruflichen Neuorientierung dazu, der noch einmal weniger Zeit zum entspannten Schmökern gelassen hat. Sei’s drum: Hier sind meine Leseempfehlungen 2010 – nicht primär das, was in diesem Jahr erschienen ist, sondern was mein Lesejahr prägte.

Belletristik:

1. Henri Charrière – Papillon (1970): „Das Buch begleitet mich insofern schon ein Leben lang, als ich es seit frühesten Kindertagen – zumindest, seit ich lesen kann – jede Ferien aufs Neue bei Oma im Bücherregal sah. Unlängst war ich wieder auf Besuch und hab’s mir mitgenommen. Und, was soll ich sagen: packend!“ – Dieser Feststellung vom 20. November ist wenig hinzu zu fügen. Mittlerweile habe ich mich durch die mehr als 600 Seiten gelesen und darf sagen, schon sehr lange nicht mehr so sehr bei einer Erzählung mitgefiebert zu haben. Die Fortsetzung des autobiografischen Abenteuerromans, Banco, lag unter dem Weihnachtsbaum und wird mir den Jahresbeginn 2011 versüßen.

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Emmi und Leo, die Zweite. Von vielen Schreibenden und Lesenden verächtlich abgetan, zeigt sich bei der Lektüre von Alle sieben Wellen – der Fortsetzung von Gut gegen Nordwind – wieder sehr schnell, warum der Autor umso mehr Lesende und Schreibende zu beglücken vermag: Witz, Esprit, Emotionen – Daniel Glattauers Bücher bieten reichlich davon.

Nachdem das erste E-Mail-Abenteuer ein etwas plötzliches (wenngleich geniales!) Ende fand, tun die zwei Fernliebenden ihren Fans den Gefallen und wagen einen neuen Anlauf. Werden sie diesmal zusammen kommen, oder steht Emmis Familie, steht Leos Arbeit nach wie vor im Weg?

Bis es darauf eine Antwort gibt, sind 200 kurzweilige Seiten zu durchwandern, die sich aufgrund der oft sehr raschen Abfolge der elektronischen Liebes-, Hass- und Freundschaftsbriefe allerdings rasend schnell lesen. Genau genommen an zwei Abenden, in meinem Fall. Wenn ich auch Glattauers Darum noch für eine deutliche Spur gelungener halte: Alle sieben Wellen macht wahnsinnig Spaß!

(7 Punkte)

Ich mag die Schweizer – nicht zuletzt wurde ich in meinen frühen Wiener Tagen immer wieder selbst für einen gehalten. (Ja, das kann man sich zehn Jahre später gar nicht mehr vorstellen, ich weiß.)

Hier im Osten meinte man früher ohnehin, dass so gut wie alle Vorarlberger zum Hackeln in die Schweiz gingen. Es waren wohl auch einmal eine ganze Menge – aber so wie noch vor dreißig Jahren rentiert sich das heute nicht mehr. Mittlerweile werden die Österreicher dort zum Teil ja schon weggeschimpft: „Ihr nehmt uns unsere Arbeitsplätze weg“, das sei kein so seltener Vorwurf, wie ich mir habe sagen lassen. Von daher haben diese Vorarlberger Grenzgänger wohl einen Eindruck davon, was hierzulande Türken, Serben, Kroaten etc. durchmachen müssen. Unangenehm, aber nicht uninteressant.

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Am Ende gewinnt die Nacht.

Daniel Glattauer hab ich schon 1999 gelesen, als ich den eigentlich für Frau Mama zum großen Fest gekauften Weihnachtshund verschlang (Ist ja in Wahrheit auch ein Adventbuch, und damit eigentlich am 24.12. schon richtig unpassend…). 3 1/2 Jahre später arbeiteten wir für dieselbe Firma, wenngleich ich über die Zeit in respektvollem Abstand zu ihm blieb. (Es lag wirklich an mir.) Darum, sein bisher bestes Werk, empfehle ich aber seit Jahren.

Und jetzt also Gut gegen Nordwind (das „Frauenbuch“), das seit Erscheinen in meinem Haushalt vorhanden war, nun aber ausleihbedingt auch schon wieder eine gute Weile abging. SchwiePa sei Dank, bekam ich es heute Abend zufällig in die Hände (für euch eigentlich gestern), und bin dann auch schon fast wieder durch. Blöder Schlaf, den man halt irgendwie doch braucht, und den ich momentan suche.

Aber das Buch: dufte. Unterhaltsam, witzig, voll sprühendem Witz und prickelnder Erotik. Und da gibt’s auch noch eine literarische Weiterführung, die daheim im Regal wartet… Jedenfalls: Einige Literaturbetriebler könnten sich davon was abschneiden. Ein gerechter Erfolg.

Und am Ende gewinnt das Leben: Morgen (heute) früh geht’s weiter.