Nun bedient sich der (mad) flugs selber der Copy-Paste-Vorzüge, und verbrät eine Rezension („Das Google-Copy-Paste-Syndrom“), die er am 3. Februar 2007 im Standard veröffentlicht hat, noch einmal. Der „Plagiats-Jäger“ Stefan Weber war zu jener Zeit gerade so etwas wie ein österreichischer Julian Assange. Nur wies er die Öffentlichkeit, anstatt ihr Geheimdokumente aus Regierungs-, Banker- oder Mafiakreisen zugänglich zu machen, darauf hin, dass die Qualität des wissenschaftlichen Betriebs – Internet sei Dank! – in großer Gefahr sei:
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Eigentlich reicht das Vorwort, in dem Amy Chua schreibt, ihre Geschichte „hätte davon handeln sollen, dass chinesische Eltern bessere Pädagogen sind als westliche. Stattdessen erzählt sie von einem bitteren Kulturkonflikt, einer kurzen Kostprobe vom Ruhm und von meiner Demütigung durch eine Dreizehnjährige“.
In der Tat geht es weniger um die Erziehung ihrer Töchter, als um eine unangenehme Persönlichkeitsschwäche der Autorin. Wenn Chua zeigt, wie die beiden von frühester Kindheit an täglich stundenlang nur Klavier bzw. Violine üben, sie ihnen keinerlei Vergnügen gönnt, die Mädchen als „Abfall“ beschimpft und dabei berichtet, wie sie selbst an ihre Grenzen geht – ich, ich, ich! –, wird klar wer glaubt, sich beweisen zu müssen.
Stilistisch mangelhaft wird angesichts Chuas Biographie – sie lehrt Jus in Yale – ebenfalls bald deutlich, dass hier ein geplanter Skandal in Form missglückter Satire vorliegt. Irreführender (Unter-)Titel, stellenweise unterhaltsam, für Europäer kaum provozierend.
(5 Punkte)
Amy Chua zum Schnelleinstieg: „Why Chinese Mothers are Superior“ im Wall Street Journal.
In drei Krimis zeichnete der gebürtige Oberösterreicher Franz Kabelka ein lebendiges Bild der Vorarlberger Gesellschaft vom Bodensee bis ins Montafon. Den Ermittler Anton „Tone“ Hagen präsentiert er als zerbrechliche Seele, die sich nicht scheut, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Interview spricht der Autor, ehemaliger Stadtpolitiker und hauptberuflich AHS-Lehrer in Feldkirch, über Mundarten, Heimat, politische Einmischung und Burnout.
(mad): Tone Hagen kehrt nach vielen Jahren in Linz zurück ins „Ländle“. Sie stammen selbst aus Oberösterreich – war es schwer, die neue Heimat zu schildern?
Kabelka: Ich habe lange überlegt, wie ich es angehe, damit mir mein „Zuag’rast-Sein“ nicht von den „g’hörigen“ Vorarlbergern angelastet wird. Die Perspektive dessen einzunehmen, der mit einer gewissen Distanz in seine alte Heimat zurückkehrt, erschien mir als die beste Lösung. Es kommen in meinen Romanen nur wenige Vorarlberger Dialektausdrücke vor, bei denen ich mich außerdem so gut wie möglich abgesichert habe. Da bin ich penibler als manch anderer Autor. Im letzten Buch kommen zudem Wienerisch, Münchnerisch und Berlinerisch vor. Das lief alles durch mehrere Kontrollinstanzen.
Der Schluss, den Karen Duve aus ihrem einjährigen „Selbstversuch“ zieht, ist alles andere als befriedigend – aber nur menschlich, allzumenschlich. Doch beginnen wir beim Anfang: Die einigermaßen erfolgreiche deutsche Romanautorin (Regenroman, Taxi) besinnt sich ihrer wenig nachhaltigen und ungesunden Lebensweise (Tiere, Schokolade und Coca-Cola en masse), nimmt sich ein Beispiel an den „völlig verstrahlten Hippies“, denen sie hin und wieder begegnet, und entwickelt den Plan, sich jeweils zwei Monate lang einer neuen Ernährungslehre praktisch zu widmen – mit allen lebensverbessernden und –erschwerenden Umständen, die damit in Verbindung stehen.
So fängt sie im Jänner 2010 damit an, nur noch Bio-Ware zu konsumieren, setzt ab März auf vegetarisches und ab Mai auf veganes „Futter“. Wer meint, das ließe sich nicht steigern, erfährt bald von verhältnismäßig gedankenlosen und echten Hardcore-Veganern, von deren Alltag es kein all zu großer Schritt mehr zum Frutarismus ist. Wer sich dafür begeistert, nimmt nur mehr Nahrung zu sich, für die keinerlei Lebewesen zu Schaden kommen musste – was auch die Rücksicht auf Pflanzen aller Art meint. Sprich: Gegessen wird, was Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräser hergeben, ohne ihr Leben auszuhauchen. Äpfel, Birnen, Nüsse und Beeren sind demnach okay. Kartoffeln und Karotten nicht, weil mit dem Ausgraben der Wurzel das Ende der Pflanze ansteht. Getreide (und damit auch Brot!) ist ein Streitfall: Ist die Ähre, die so trocken ist, dass sich ihre Körner heraus klopfen lassen, nicht ohnehin schon tot?
Mit drei Kurzrezensionen wurde dieses Blog vor 365 Tagen, am 7. Jänner 2010, auf die Welt losgelassen. Im Vorfeld standen mehr als eineinhalb Jahre des Nachdenkens „ob“, sowie ein gutes halbes Jahr, in dem ich mir gewisse Fertigkeiten anzueignen versuchte: HTML, PHP, CSS etc. Schlussendlich kam ich, in diesem Vorhaben mehr oder weniger kläglich gescheitert, auf das wunderbare WordPress-System, und die Sache war geritzt.
Neben dem (mad)-Blog, das eher „seriös“ ausgerichtet sein sollte, bestand einige Wochen lang auch das „Unterwegs“-Blog, in dem ich etwas mehr die Sau raus lassen wollte: Satiren, Glossen etc. Natürlich war das viel zu aufwändig, wie mir bald klar geworden ist – und „Unterwegs“ wurde von (mad) geschluckt. Im Frühjahr, als ich mich nach langem hin und her dazu durchgerungen hatte, wieder an die Uni zu gehen und mich einer höheren geistigen Herausforderung zu stellen, setzte ich auf die Idee eines „Leseblogs“ – [mad vs. Spengler] –, das sich jedoch ebenfalls als viel zu ambitioniertes Projekt heraus stellte. Bloggen, so fand ich in den ersten sechs Monaten heraus, das bedeutet auch und vor allem einmal: lernen.