Ein ♥ für Blogs
Meine Empfehlungen zur gleichnamigen Aktion am 25. Mai 2010:
http://www.haraldwalser.at: Ich habe Harald Walser, Abgeordneter zum Nationalrat und Bildungssprecher der Grünen, während meiner Zeit im Bundesgymnasium Feldkirch (BGF) bis 1998 nie als Lehrer erlebt. Der wortgewandte promovierte Historiker schien aber sehr beliebt zu sein und machte bald nach meinem Schulabschluss ländleweit auf sich aufmerksam, als er während verschiedener Protestkundgebungen gegen die Schwarz-Blaue Koalition (Kabinett Wolfgang Schüssel I) aktiv und lautstark Stellung bezog, über die gesellschaftlichen und historischen Verfehlungen der FPÖ und deren Vorgänger- und Teilorganisationen referierte und damit – das darf man sagen – für die Politisierung einer nicht geringen Anzahl junger Leute in Vorarlberg mitverantwortlich war. Gerade für einen Lehrer, auch wenn auf seine politische Ausrichtung bereits aus früheren Tätigkeiten und seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der NSDAP in Westösterreich zu schließen war, hieß das damals wie heute, sich recht weit aus dem Fenster zu beugen. Nichtsdestotrotz schaffte es Walser, dessen Kolumnen in den Vorarlberger Nachrichten lange als einzige Rechtfertigung gelten durften, das Blatt überhaupt aufzuschlagen, ab 2003 den Direktorposten am BGF zu besetzen, bevor er im Herbst 2008 in den Nationalrat einzog. Neben der Bildungsthematik, der es schon aus beruflichen Gründen viel Platz einzuräumen gilt, bietet das auf twoday.net gehostete Blog vor allem ein gesellschaftspolitisches Korrektiv: Die ganzen Ausländer- und Judenhasser, die Neufaschisten und Neonazis, die in Online-Foren oder Leserbrief-Ecken mit einschlägigen Äußerungen auffallen, die Stammtischparolenschmeisser, die sich „einen Hitler“ zurück wünschen, und diverse politische Funktionäre von der Gemeindeebene bis ganz weit nach oben: In Walser finden Sie einen ewigen Anschreiber gegen das von ihnen postulierte oder verharmloste Unrecht, der nicht davor zurück scheut, auch den Rechtsweg zu beschreiten, um das hierzulande zum geflügelten Wort verkommene Ideal „Wehret den Anfängen“ zu bewahren.
http://www.lisaneun.com/l9log: Keine Ahnung, wann ich auf dieses Blog gestoßen bin, aber die Cartoons von Lisa Neun mag ich. Sie machen gute Laune und ich komme immer wieder darauf zurück. That’s it.
http://www.netzpolitik.org: Was soll ich über die Arbeit von Markus Beckedahl (& Co.) noch schreiben? Gut: Wenn renommierte Medien (Stichwort Spiegel) über’s Bloggen schreiben und eine Erfolgsgeschichte wiedergeben möchten, greifen sie immer wieder gern auf diese Plattform zurück. Dass netzpolitik.org durchaus als journalistisches Medium wahr- und deshalb ernstgenommen wird, bewies etwa eine Abmahnung der Betreiber durch die Deutsche Bahn Ende 2009.
http://poscoleri.wordpress.com: „Provokationen, Diskussionen, Explosionen“ verheißt der (momentan) als Peter Poscoleri Pan twitternde „Poet“ und „Soziophob“ (etc., vgl. hier) für seinen noch jungen Webauftritt. Interessant ist die Kooperation mit anderen Aktivist/innen der Blogo-Twitto-Sphäre. Zum Auftakt wurde unbescheiden kommuniziert, was Kunst sei. Hat Entwicklungspotenzial. Ich schau gerne wieder rein.
http://www.retrospektiven.com: Auf Ali Mahlodji bin ich durch seine Beiträge zur Affäre Alfons Haider (Erinnerung: „Wir leben in einem verschissenen Land.“) und dem Thema Ehrenmord aufmerksam geworden. Abgesehen von solch ernsthaften Beiträgen bloggt er scheinbar über alles, was ihn irgendwie bewegt: Career, Change, Design, Learning, Social Media, Sustainibility (…). Das Weblog könnte etwas übersichtlicher sein, aber andererseits passt hier die Form perfekt zum Inhalt: Mahlodji scheint, den Retrospektiven wie auch seinen Tweets nach zu schließen ein echtes Arbeitstier zu sein, wenngleich er recht glaubwürdig vermittelt, die Verschmelzung von Arbeits- und Privatleben eigentlich zu genießen. Und wenn alles Arbeit ist, so wohl man sich dabei auch fühlt, kommt man halt nicht immer zum Aufräumen…
http://teerenundfedern.wordpress.com: „Dies ist mein persönlicher Blog, eine Plattform zum Ausdruck der Gedanken eines jungen Menschen. Der ‚rote Faden‘ bin also ich selbst“, schreibt Mathias Pascottini. Thematisch spielt sich’s zwischen Politik, Literatur und Musik ab. Und da ich auf seelische Kongruenz stehe, muss ich an diesem Weblog ganz grundsätzlich interessiert sein. Optisch etwas Kraut und Rüben [Edit: Kraut und Rüben hatte ich wohl beim Absurfen der Seite auf den Augen – eigentlich sieht eh alles gut aus: Sorry!], aber wie schon weiter oben umschrieben: Das hat Charme. Und dass Axolottl Roadkill großer Mist ist, wird er mir auch noch irgendwann glauben – oder ist das tatsächlich schon ein Generation-Gap? ;-)