31 Tage – 31 Bücher

… und genau so viele literaturbegeisterte Blogerinnen und Blogger nehmen sich über den ganzen Juli hinweg jeweils eines Buchs an und lassen ihren Gedanken dazu freien Lauf. Idee und Koordination: Ivy.

Tag 1 – Fee über das Buch, das sie gerade liest: Anna nicht vergessen von Arno Geiger

Tag 2 – guerillero über das Buch, das er als nächstes lesen will: Grave Peril von Jim Butcher

Tag 3 – Ronz über sein Lieblingsbuch: Katzengold von Brigitta Arens

Tag 4 – (mad) schreibt über sein Hassbuch: Ich habe schon einige gute, zumindest aber unterhaltsame Bücher gelesen, die viele Leute als Mist bezeichnet haben. In der Regel lasse ich mich eben nicht vom Urteil Dritter leiten, wenn es um meinen Lesestoff geht; vielmehr treibe ich dahin, hole mir Inspiration für weitere Lesereisen aus Büchern und von Autoren, die mich richtig mitreißen: So kam ich über George Orwell zu Henry Miller; so brachte mich Max Frisch zu Uwe Johnson, wurde ich von Helmut Krausser auf Jörg Fauser eingeschworen – und lernte über Daniel Kehlmann die guten Seiten von Thomas Glavinic kennen. Auch liebe ich etwa die Bücher von Robert Schneider, der für fast jedes Buch nach Schlafes Bruder mit ungerechtfertigt-vernichtender Kritik abgestraft wurde. Egal, der Mann schreibt wunderbar und bringt in jedem Absatz seines Kristus mehr Thrill unter als ein Dan Brown auf 700 illuminierten Seiten.

Umgekehrt langweilte mich beispielsweise die Esoterik-Schreibe eines Paulo Coelho fast zu Tode, und ich würde lieber noch fünf Mal Antoine de Saint-Exupérys Kleinen Prinzen begleiten als nur ein weiteres Kapitel aus Coelhos Feder lesen zu müssen. Zu Heinrich Mann habe ich ein gespaltenes Verhältnis, seit ich mich an der Uni Wien zum Referat über dessen Untertan einteilen ließ. An der Figur des Diederich Heßling, dieser abstoßenden kleinen Pissnelke, wäre ich um ein Haar verzweifelt. Die letzten 30 Seiten habe ich geskippt und beim Referat geblufft, und dennoch ordne ich den Untertan als wichtiges und durchaus lehrreiches Werk ein.

Was mich jedoch so richtig ärgert ist, durch falsche Fährten zur Lektüre eines vermeintlich guten Buches verleitet zu werden. Ich meine: Bei Axolotl Roadkill war klar, dass es nicht sonderlich gut sein kann – aber wer halbwegs über das aktuelle Geschehen am deutschsprachigen Literatursektor informiert sein wollte, musste es eben doch lesen. Und allein um mit eigenen Augen festzustellen, wieviel Helene Hegemann tatsächlich vom Blogger Airen und weiteren (auch in der vierten Auflage nur teilweise genannten) Autoren abgeschrieben hat, lohnt sich die Quälerei durch das zähe Textkonglomerat.

Um also zum eigentlichen Thema zu kommen: Ich erinnere mich an ein Spiegel-Interview mit Charlotte Roche Ende Februar 2008, zur Veröffentlichung ihres Romandebüts Feuchtgebiete. Natürlich wusste ich Roche einzuordnen, hatte jedoch nie eine ihrer Fernsehsendungen gesehen, denn – ja, das gibt’s – ich bin ohne Kabel- und Satelliten-TV aufgewachsen. Ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht einmal, wie man Roches Namen korrekt ausspricht: Eher französisch, also „Rosch“, oder doch mehr dreckig-britisch, „Roach“, wie die Schabe? Die norddeutsche, an den bekannten Knorpelfisch erinnernde Variante schließe ich jedenfalls aus. Nun, das Gespräch im Spiegel zeichnete das Bild einer sympathischen, witzigen jungen Frau, die Roche wohl auch ist. Es ging um die Frage des geplanten Skandals, des Tabubruchs; es ging um Pornographie, Körperkult und Humor. Vor allem ging es aber um die Gleichberechtigung der Geschlechter, um Feminismus. Den habe sie, Roche, „mit der Muttermilch aufgesogen“, wie sie erklärte. Sie habe von ihrer Mutter gelernt, „dass die Welt frauenfeindlich ist und dass es noch viel zu tun gibt, bis Frauen dieselben Chancen haben wie Männer.“ Darum also, dachte ich, geht es in dem Buch: ein Irrtum.

Ich beschloss, meine Freundin – pardon, wir sind erwachsen: Lebensgefährtin – mit diesem Manifest der modernen Frau zu beglücken; einem Buch, das ich selbst nicht gelesen hatte, was relativ untypisch für mich ist. Schon kurz darauf fragte sie mich charmant, ob es mir noch gut gehe. Also holte ich die Lektüre schleunigst nach – und frage mich noch heute, ob der Feminismus der Feuchtgebiete bereits im Klappentext oder erst in den Anfangszeilen verloren gegangen ist. Man kann den Plot sehr knapp zusammen fassen, dann sieht es in etwa so aus: Mädchen rasiert sich den Hintern und verletzt sich böse am Anus; liegt im Krankenhaus und fantasiert, nun Vater und Mutter wieder zusammen bringen zu können; legt dem Leser dar, sich gerne mit Avocado-Kernen zu befriedigen und eine Vorliebe für den Geschmack ihres Muschisafts zu haben; beschreibt ihr seltsames Sexualleben und verliebt sich in ihren Krankenpfleger, der sich am Ende zu ihr bekennt.

Das Buch liegt nun schon seit einiger Zeit in einer Kiste. Die Kiste steht etwa zehn Meter unter mir im Keller, zwischen allerlei Krempel. Die Handlung habe ich nach gut zwei Jahren, ohne Google-Hilfe, aus dem Gedächtnis wiedergegeben, und ich bin sicher: Mehr steckt nicht drin. Das Ganze ist übrigens nicht sehr gut geschrieben, aber dafür – der Spiegel hat’s vermutet – als Geschäftsidee raffiniert geplant. Hat sich auch verkauft wie warme Semmeln, das Buch, wobei ich jedem, der es gerne etwas „schärfer“ mag, den schon erwähnten Henry Miller als Alternative nahe lege: Da gibt’s zwischen den mannigfachen Kopulationsschilderungen wenigstens eine echte Handlung.

Hass: Das mag vielleicht ein übertriebenes Gefühl sein, wenn man von einem Buch spricht, das einen so enttäuscht hat. Die erfolgte Einordnung unter „Krempel“ erfüllt denselben Zweck. Oder, wie es Thor Kunkel formuliert hat: „Roches dünnes Büchlein ist leider Beschiss.“

Tag 5 – entfällt leider :-(

Tag 6 – @oheurope über ein Buch, das man nur einmal zu lesen braucht: Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach

Tag 7 – @vera_nda über ein Buch, das sie an jemanden erinnert: Liebesgeschichten von Julio Cortázar

Tag 8 – @ahabicher über ein Buch, das ihn an einen Ort erinnert: The Eternal Champion von Michael Moorcock

Tag 9 – Richard K. Breuer erinnert sich seines ersten selbst gelesenen Buchs: Bravo Kasperl von Vera Ferra-Mikura

Tag 10 – @jackoty stellt ein Buch seines Lieblingsautors vor: The Graveyard Book von Neil Gaiman

Tag 11 – Johannes Steiner über ein Buch, das er früher mochte: Beweise von Erich von Däniken

Tag 12 – Doris Christina über ein Buch, das sie empfohlen bekommen hat: Adler und Engel von Juli Zeh

Tag 13 – O. Pryde über ein Buch, bei dem er nur lachen kann: Macht & Rebel von Matias Faldbakken

Tag 14 – @lil_81 beschäftigt sich mit einem Buch aus ihrer Kindheit: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch von Michael Ende

Tag 15 –@elefantesk zieht das vierte Buch von links aus ihrem Regal: Canto von Paul Nizon

Tag 16 – Monika widmet sich dem neunten Buch von rechts aus ihrem Regal: West-östlicher Divan von Johann Wolfgang von Goethe

Tag 17 – @teerenundfedern zieht blind ein Buch aus dem Regal: Das Duden Fremdwörterbuch von der Dudenredaktion

Tag 18 – leider nichts :-(

Tag 19 – @cypher über ein Buch, das er schon immer lesen wollte: Gödel, Escher, Bach: An Eternal Golden Braid von Douglas Hofstadter

Tag 20 – Martin Piskernigs sehr gelungener und origineller Text über ein Buch, das er in seiner Schulzeit gerne gelesen hat: Der Prozess von Franz Kafka

Tag 21 – @mashehu traut sich an die Kritik eines quasi Unantastbaren und rezensiert das blödeste Buch, das er während seiner Schulzeit lesen musste: Die Verwandlung von Franz Kafka

Tag 22 – Andreas Monitzer und das umfangreichste Werk in seinem Bücherregal: Otherland von Tad Williams

Tag 23 – @mxfanta und das schmalste Büchlein in seinem Regal: Weinhaus Wolf von Gottfried Benn

Tag 24 – @PrinceznaAndrea über ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass sie es gelesen hat: Krieg und Frieden von Lew Tolstoi

Tag 25 – Lena über ein Buch, bei dem die Hauptperson sie ziemlich gut beschreibt: Mängelexemplar von Sarah Kuttner

Tag 26 – foxyline über „ein Buch, das du deinen Kindern vorlesen würdest“: Charlie and the Chocolate Factory von Roald Dahl

Tag 27 – Aljoscha Gratt über ein Buch, dessen Hauptperson sein Ideal ist: V wie Vendetta von Alan Moore

Tag 28 – @bobschi meint: „Zum Glück wurde dieses Buch verfilmt!“: Solaris von Stanislaw Lem

Tag 29 – Benedikt fragt: „Warum zur Hölle wurde dieses Buch verfilmt?“: Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi

Tag 30 – ein Blindgänger :-(

Tag 31 –@ungeschrien über das Buch, das er als nächstes lesen möchte: The Evolutionary Void von Peter F. Hamilton