In drei Krimis zeichnete der gebürtige Oberösterreicher Franz Kabelka ein lebendiges Bild der Vorarlberger Gesellschaft vom Bodensee bis ins Montafon. Den Ermittler Anton „Tone“ Hagen präsentiert er als zerbrechliche Seele, die sich nicht scheut, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Interview spricht der Autor, ehemaliger Stadtpolitiker und hauptberuflich AHS-Lehrer in Feldkirch, über Mundarten, Heimat, politische Einmischung und Burnout.
(mad): Tone Hagen kehrt nach vielen Jahren in Linz zurück ins „Ländle“. Sie stammen selbst aus Oberösterreich – war es schwer, die neue Heimat zu schildern?
Kabelka: Ich habe lange überlegt, wie ich es angehe, damit mir mein „Zuag’rast-Sein“ nicht von den „g’hörigen“ Vorarlbergern angelastet wird. Die Perspektive dessen einzunehmen, der mit einer gewissen Distanz in seine alte Heimat zurückkehrt, erschien mir als die beste Lösung. Es kommen in meinen Romanen nur wenige Vorarlberger Dialektausdrücke vor, bei denen ich mich außerdem so gut wie möglich abgesichert habe. Da bin ich penibler als manch anderer Autor. Im letzten Buch kommen zudem Wienerisch, Münchnerisch und Berlinerisch vor. Das lief alles durch mehrere Kontrollinstanzen.
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Nirvanas Debüt habe ich zuerst 1993 erworben, damals bereits als Neuauflage nach dem großen Erfolg mit Nevermind 1991. Zum 20-jährigen Bleach-Jubiläum wurde 2009 eine Deluxe-Edition veröffentlicht: Schönes Papp-Klapp-Schuber, tolles Booklet, remastered und mit einem kompletten Konzert vom Februar 1990 aufgepeppt.
Die 13 Bleach-Songs hätten keine Überarbeitung gebraucht. Für die kolportierten 600 Dollar, die damals im Studio blieben, hat Produzent Jack Endino tolle Arbeit geleistet. Die elf Live-Aufnahmen sind allein schon jeden Cent wert: Sicher eine der besseren Nirvana-Live-Dokumente – ich denke schaudernd an die Wishkah-Compilation von 1996. Schade nur, dass die Verpackung irreführt: Es handelt sich nicht um eine Doppel-CD, sondern das Konzert wurde (im Gegensatz zur Vinyl-Version) mit dem Album auf eine CD geknallt. Wenn ich den Einführungspreis von 18 Euro gezahlt hätte, wäre ich etwas sauer. Dennoch: Ich traue mich nun wohl an das ebenfalls 2009 veröffentlichte Reading-Album ran.
(Album: 9 Punkte, Live-Mitschnitt: 7 Punkte)
Der Schluss, den Karen Duve aus ihrem einjährigen „Selbstversuch“ zieht, ist alles andere als befriedigend – aber nur menschlich, allzumenschlich. Doch beginnen wir beim Anfang: Die einigermaßen erfolgreiche deutsche Romanautorin (Regenroman, Taxi) besinnt sich ihrer wenig nachhaltigen und ungesunden Lebensweise (Tiere, Schokolade und Coca-Cola en masse), nimmt sich ein Beispiel an den „völlig verstrahlten Hippies“, denen sie hin und wieder begegnet, und entwickelt den Plan, sich jeweils zwei Monate lang einer neuen Ernährungslehre praktisch zu widmen – mit allen lebensverbessernden und –erschwerenden Umständen, die damit in Verbindung stehen.
So fängt sie im Jänner 2010 damit an, nur noch Bio-Ware zu konsumieren, setzt ab März auf vegetarisches und ab Mai auf veganes „Futter“. Wer meint, das ließe sich nicht steigern, erfährt bald von verhältnismäßig gedankenlosen und echten Hardcore-Veganern, von deren Alltag es kein all zu großer Schritt mehr zum Frutarismus ist. Wer sich dafür begeistert, nimmt nur mehr Nahrung zu sich, für die keinerlei Lebewesen zu Schaden kommen musste – was auch die Rücksicht auf Pflanzen aller Art meint. Sprich: Gegessen wird, was Bäume, Sträucher, Kräuter und Gräser hergeben, ohne ihr Leben auszuhauchen. Äpfel, Birnen, Nüsse und Beeren sind demnach okay. Kartoffeln und Karotten nicht, weil mit dem Ausgraben der Wurzel das Ende der Pflanze ansteht. Getreide (und damit auch Brot!) ist ein Streitfall: Ist die Ähre, die so trocken ist, dass sich ihre Körner heraus klopfen lassen, nicht ohnehin schon tot?
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Unter die geschätzten 300 Live-Bootlegs, die Pearl Jam selbst heraus gebracht haben, fügt sich Live On Ten Legs unauffällig ein. Dennoch ist es in zweierlei Hinsicht eine Besonderheit: Erstens läutet es die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Wirken der Jungs aus Seattle ein; zweitens handelt es sich erstmals seit 1998 (Live On Two Legs) um eine „normales“ Live-Album – dieses wurde aus verschiedenen Auftritten weltweit (2003 bis 2010) gebastelt, was aber nicht weiter auffällt. In der Aufmachung wie im Titel an die 98er-Platte angelehnt, bietet es Mehrwert für alte Fans wie für Neueinsteiger. Die einen erhalten ihre Lieblinge in bester Spiellaune inklusive (überarbeiteter) Aufnahmen zweier selten gespielter Covers (Arms Aloft von Joe Strummer & The Meskaleros, Public Image von PiL), die anderen einen tollen Querschnitt durch die Bandkarriere: Von Klassikern wie Alive, Porch und Animal bis hin zu jüngeren Songs wie Got Some, The Fixer und Just Breathe vom 2009er-Album Backspacer. Gute Sache.
(In Anbetracht der Vielfalt an Live-Alben gehen sich gute 8 Punkte aus.)
Meine Top-5-Live-Bootlegs:
1. Live At The Gorge, Sept. 2005/Juli 2006 (Box-Set, 3 Konzerte auf 7 CDs)
2. Live In Atlanta, April 1993 (Limitiertes 3-CD-Sammel-Digipak)
3. Live In Vienna, Sept. 2006 (2-CD-Download)
4. Live At Benaroya Hall/Seattle, Okt. 2003 (Acoustic Set, 2-CD-Digipak)
5. Live At Easy Street, Mai 2005 (7-Track-EP, Digipak)
Ein interessantes, wie viele andere auch von der Band selbst genehmigtes Download-Fan-Projekt (= Gratis-Live-Alben!) nennt sich Rearviewmirror und wird an dieser Stelle im Pearl-Jam-Forum vorgestellt.
Mit drei Kurzrezensionen wurde dieses Blog vor 365 Tagen, am 7. Jänner 2010, auf die Welt losgelassen. Im Vorfeld standen mehr als eineinhalb Jahre des Nachdenkens „ob“, sowie ein gutes halbes Jahr, in dem ich mir gewisse Fertigkeiten anzueignen versuchte: HTML, PHP, CSS etc. Schlussendlich kam ich, in diesem Vorhaben mehr oder weniger kläglich gescheitert, auf das wunderbare WordPress-System, und die Sache war geritzt.
Neben dem (mad)-Blog, das eher „seriös“ ausgerichtet sein sollte, bestand einige Wochen lang auch das „Unterwegs“-Blog, in dem ich etwas mehr die Sau raus lassen wollte: Satiren, Glossen etc. Natürlich war das viel zu aufwändig, wie mir bald klar geworden ist – und „Unterwegs“ wurde von (mad) geschluckt. Im Frühjahr, als ich mich nach langem hin und her dazu durchgerungen hatte, wieder an die Uni zu gehen und mich einer höheren geistigen Herausforderung zu stellen, setzte ich auf die Idee eines „Leseblogs“ – [mad vs. Spengler] –, das sich jedoch ebenfalls als viel zu ambitioniertes Projekt heraus stellte. Bloggen, so fand ich in den ersten sechs Monaten heraus, das bedeutet auch und vor allem einmal: lernen.
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