Archiv für Juni 2010

Mit Block Rockin’ Beats eroberten die Chemical Brothers 1997 die Welt. Nach dem lebensfrohen Exit Planet Dust (1995) hatten Tom Rowlands und Ed Simons mit Dig Your Own Hole ein atemberaubend cooles Album geschaffen – mit fünf Singles bei elf Tracks. 1999 ging Surrender einen ähnlichen Weg, dann folgte die Neuausrichtung. Come With Us (2002) war über weite Strecken Dancefloor pur, konnte aber noch halbwegs überzeugen. Push The Button (2005) und We Are The Night (2007) wiesen viele Gastsänger/innen auf, orientierten sich an modernen (Rap-)Sounds; jedoch klang das eher durchwachsen.

Mit Snow fahren die Soundtüftler nun ihren bisher schönsten Opener auf, wonach Escape Velocity die letzten 15 Jahre in zwölf Minuten durchläuft. Another World, Swoon und Wonders Of The Deep klingen nach 2002, Dissolve und Horse Power führen tief in die 90er, K+D+B setzt auf Drum’n’Bass. Further bietet acht Songs, mit denen das Duo, musikalisch auf höchstem Niveau, nach zehn Jahren wieder zum Träumen anstiftet.

(8 Punkte)

Einen günstigeren Zeitpunkt für diese Buchveröffentlichung hätte es kaum geben können: Just als sich Mitte März die bis heute aktuelle Kirchenkrise einem ersten Höhepunkt näherte – der dringenden Frage, ob vielleicht sogar der heutige Papst Fälle von priesterlichem Kindesmissbrauch gedeckt hat –, kam Wolfgang Bergmanns Romanerstling Die kleinere Sünde heraus. Ein Glücksfall für den Autor und seinen Verlag, denn so etwas lässt sich schlecht planen, wenn man die Vorlaufzeiten einer ordentlichen Buchproduktion bedenkt. Der Hinweis auf dem Buchumschlag, dass die vorliegende Handlung „frei erfunden“ sei, „soweit sie nicht auf Tatsachen beruht“, kann allerdings nicht von der Vermutung eines Schlüsselromans ablenken, in dem – einmal mehr, einmal weniger offensichtlich – in reale Skandale verwickelte Personen beschrieben sind. „Im Grunde sind Bücher etwas für den Nachlass“, heißt es in diesem Sinn bereits auf der ersten Seite, „du machst dir nur Schwierigkeiten, wenn du publizierst, solange du lebst. Alle, die du kennst, werden versuchen, sich wiederzufinden.“

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Die Richtung ist mit dem ersten Beat klar: Trent Reznor bleibt sich treu. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mariqueen Maandig, die bei den sechs Tracks der selbstbetitelten EP die Vocals übernahm, macht er mit How To Destroy Angels dort weiter, wo die Nine Inch Nails (NIN) mit The Slip zuletzt standen. 2008 war das, und schon damals hat Reznor – das zweite Mal innerhalb weniger Wochen – seine Musik gratis zum Download hergegeben, um einige Zeit später auch den physischen Tonträger überaus erfolgreich zu verkaufen.

So läuft es auch diesmal – wobei fraglich bleibt, ob der geneigte Fan für die vorliegende Veröffentlichung (viel) Geld ausgeben wird. Der Sound entspricht einem Mix aus The Fragile (1999), Year Zero (2007) und Ghosts (2008). The Space In Between sowie Fur Lined und A Drowning ragen heraus, der Rest ist zumindest ordentlich. Als Einstand des Projekts mehr als okay, und natürlich auf hohem Niveau. Dennoch haben wohl Reznors ältere Platten (bis 2005) eine etwas längere Halbwertszeit.

(6 Punkte)

Man kann bei Markus Köhles Dorfdefektmutanten an die Piefke-Saga denken und liegt damit gar nicht so falsch, denn auch in diesem „Heimatroman“ geht es um den Blick hinter die Kulissen des Tourismuswahns.

Der Held der Geschichte kehrt, nachdem er am Studium in Wien gescheitert ist, in seinen Heimatort zurück, wo er sich als Hausmeister in einer Autobahnraststätte verdingt. Der aktuellen Geschehnisse gibt es wenig erwähnenswerte, der Protagonist hängt vielmehr seiner Jugend(liebe) nach, die er mit dem besten Freund Klaus teilte. Mit dem Leben als Fachmann für alles – Reparaturen in Haus und Hof, Schneeschippen, die Versorgung gestrandeter Snowboarder – hat er sich arrangiert, Hobbys gibt es vor allem zwei: Internetkontakte und das Fotografieren der von Gästen verunreinigten Toiletten.

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Zu Zeiten ihres Debüts (Core, 1992) hätte man ob der verbreiteten Kritik, die Stone Temple Pilots (STP) klängen nach einem Abklatsch gerade zu Weltruhm aufsteigender Bands wie Pearl Jam, Soundgarden und weiterer Seattle-Grunger, nicht auf eine lange Karriere der vier Jungs aus San Diego wetten mögen. Natürlich weiß man vor allem im Rückblick ob der Eigenständigkeit des ersten Albums, das mit der Single Plush einen der besten Songs aller Zeiten beinhaltet, aber bereits mit dem 94er-Nachfolger Purple verwiesen sie ohnehin all jene, die es besser zu wissen meinten, in die Schranken: Songs wie Meat Plow, Lounge Fly oder auch die erste Auskoppelung Vasoline bliesen einen schier um. Es folgten drei weitere Alben, mit denen sich die Gruppe zunehmend in Richtung Sixties-Pop /-Rock bewegte – ohne ihre Wurzeln zu verleugnen – und dennoch dann und wann auch wieder gehörig aufs Gaspedal trat.

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