Archiv für Mai 2010

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Ganz ehrlich, ich lese ja nach wie vor eher Offline-Medien. Ich bin ein Zeitungs-, viel mehr noch ein Zeitschriften- und Magazin-Freak (von den Bücherstapeln, die meine Wege pflastern, ganz zu schweigen); aber eben doch auch ein News- und Informationsjunkie, berufsbedingt. Das Schreckliche ist ja, wenn man, obwohl fast täglich in einer Redaktion anwesend, nicht ausreichend zur Rezeption des relevanten Nachrichtenstoffs kommt (und sei es nur des eigenen Blattes) – wie das zufrieden stellend funktionieren sollte, wenn man ständig von schreienden Telefonen und E-Mail-spuckender Software umgeben ist, versuche ich seit Jahren vergeblich zu erfassen: Klingeling-biep.

Das Internet in all seinem rasend schnellen und umfassenden In-Form-Setzen (und Distribuieren) von Datenmaterial eignet sich natürlich wunderbar zum Erfassen des Weltgeschehens – aber halt nur sehr oberflächlich, wenn man sich an die massenkompatiblen – und oft genug von „alten“ Medien getragenen – Portale hält. Wer Hintergründe sucht, wem es nach Analyse verlangt, der streckt seine virtuellen Fühler bald hierhin, bald dorthin aus, wo man Qualität (um nicht zu sagen: Qualitätsjournalismus) erwarten darf; der liest die Zeit, den Spiegel oder auch Geo online.

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Die Deftones und ich, wir haben uns schon das eine oder andere Mal auseinander gelebt. 1997 kam mir ein Song der Truppe aus Sacramento, Kalifornien, unter, My Own Summer, der mich genau wie das dazu gehörende Album Around The Fur so ziemlich vom Hocker Riss. Fette, böse Riffs und ein Sänger, der zwischen Kreischen, Keifen, Brüllen und Flüstern hin und her gerissen schien: Chino Moreno. Mit Be Quiet And Drive schafften die Deftones einen veritablen Hit in den Endneunziger-Alternative-Clubs. Die Beschäftigung mit dem zwei Jahre früher erschienenen Debütalbum Adrenaline lohnte sich: Der Weg, den Around The Fur einschlug, war deutlich vorgezeichnet, wenngleich das Stakkato-Riffing, das Gitarrist Stephen Carpenter damals unter etwas roheren Produktionsbedingungen ablieferte, teils richtig fies in die Ohren stach.

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Anfangs war es Rinderwahn, dann ein Menschen- und schließlich der Zombiewahn: so die Basis des Films mit Woody Harrelson. Wenngleich das Horrorgenre in den letzten Jahren wenig sparsam mit den gefürchteten Untoten war, hebt sich Zombieland angenehm vom Einheitsbrei ab: Statt auf Ekel setzt die Produktion meist auf Komik und Slapstick-Action – und auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Neben Harrelsons Tallahassee stehen der junge Columbus (Jesse Eisenberg) sowie die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) im Mittelpunkt. Sie geben ihre echten Namen bei der Suche nach neuem Glück nicht preis, schließlich will man in einer Zeit, in der das viral übertragene Kannibalentum regiert, keine enge Bindung. In Hollywood kommen sie kurz bei Schauspieler Bill Murray unter (ein wirklich witziger Abschnitt), der Showdown im Vergnügungspark lässt aber nicht lange auf sich warten. Den Weg in die Videothek lohnt schon allein der Vorspann mit Metallicas For Whom The Bell Tolls.

(7 Punkte)

1999 waren Filter für kurze Zeit die beste Band der Welt: Mastermind Richard Patrick, zuvor für Trent Reznors Nine Inch Nails im Einsatz, toppte im August das Debüt Short Bus, das die Band mit der Single Hey Man, Nice Shot zu den Lieblingen des radiotauglichen Industrial gemacht hatte. Pop-Arrangements unterwanderten den beinharten Rock, und Patrick machte fast zur Regel, was vorher Ausnahme war: das Schmachten und Säuseln. Dennoch waren auch Riff-orientierte Headbanger keine, die sich für den Besitz der Platte schämten: Songs wie Skinny, I Will Lead You oder Welcome To The Fold ermöglichten den Spagat zwischen den Lagern. Das Herz des Albums stellt aber das Triptychon aus It’s Gonna Kill Me, The Best Things und Take A Picture dar, das einen auch heute noch auf eine höhere Bewusstseinsebene zu heben vermag.

Vier Wochen nach Title Of Record brachte Reznor The Fragile auf den Markt: Eine Benchmark, von der sich der Ex-Chef genau wie sein Lehrbub seitdem leider weit entfernt haben.

(9 Punkte)

Sex, Drugs und Techno spielen auch in I Am Airen Man des unter diesem Pseudonym bekannten Ex-Bloggers eine große Rolle, der in der aktuellsten Verwertung seines Stoffs Mexiko unsicher macht. Kommt das übertrieben als „Roman“ bezeichnete, dünne Werk zunächst, mit dem Rückblick an Airens frühe Studentenzeit, nur schwer in Gang, so entwickelt sich der in drei Abschnitte und viele Kapitel gegliederte Text mit der Ankunft in Übersee in eine doch interessante Richtung: Der Protagonist ist nicht mehr (nur) dauerhaft breit, und die Befriedigung seines sexuellen Appetits wird auch nicht mehr wie in Strobo vielzeilig und detailliert dargelegt – wenngleich auch Liebhaber dieses Airen auf ihre Kosten kommen. Vielmehr öffnet sich die Fassade, die in dem (dank Helene Hegemann) nicht ganz erfolglosen Erstling konstruiert wurde: Airen lernt zu lieben, wird erwachsen und kehrt, in jeder Hinsicht, zurück nach Hause. Ein bürgerliches Leben traut man der Kunstfigur jedoch noch nicht zu. Da ginge noch was.

(7 Punkte)