Das Urteil über Helene Hegemanns Roman fällt nach der Lektüre noch vernichtender aus, als zu erwarten war. Natürlich kann man das Buch nur in dem Bewusstsein lesen, dass weite Teile von Airens Strobo abgeschrieben sind, und das schürt auch Vorurteile gegenüber den allgemeinen Handwerksqualitäten dieser Autorin. Aber nach all der Lobhudelei in den Feuilletons und der trotz Aufdeckung des Schwindels hohen Anzahl an verbliebenen Fürsprecherinnen und Fürsprechern des Werks (und der Kompilatorin) war doch erwartbar, dass man sich da täusche. Njet: Über weite Strecken setzt sich die holprige Geschichte nur aus einer Aneinanderreihung von Schimpftiraden zusammen, die mal von einem Sex-Szenchen, mal vom Konsum einer Prise Kokain, ein anderes Mal von verstümmelten Songtexten durchbrochen werden. Die Handlung lässt sich erahnen, aber kaum wiedergeben: Mutterkomplex, Vaterhass, Inzuchtverdacht, Liebeskummer und Rückblenden münden im Chaos. „[G]roße, unvergessliche Literatur“: Satire, Herr Biller?

(3 Punkte)