„Geben Sie uns ein Interview?“ – Als Journalist, als einer, der sein Täglich’ Brot damit verdient, andere Leute über mal mehr, mal weniger interessante Themen zu befragen, fühlt man sich natürlich geschmeichelt, wenn man selbst zum Interview geladen wird. Auch wenn sich rasch heraus stellt, dass es sich um einen (größtenteils) automatisch generierten Fragenkatalog handelt: Man ist zumindest grundsätzlich interessiert und will nicht sofort wieder den Deckel drauf schmeißen.
In meinem Fall kam das Böse auf leisen Sohlen über Twitter. Ich hatte zuvor noch nichts von whohub gehört, konnte mich aber rasch mit den Fragen zu meinem Berufsfeld anfreunden: Da hat sich irgendwer irgendwann einmal echt was überlegt, auch wenn er/sie damals wohl kaum an mich persönlich gedacht haben wird: Die Beantwortung macht Spaß und könnte sogar Dritte interessieren.
Auf jeden Fall steht damit seit heute Nachmittag das erste Interview mit (mad) online, wer immer es sich auch zu Gemüte führen möchte. Weitere Fragen können übrigens gleich hier auf dieser Seite – rechter Hand, unterm Archiv – eingegeben werden: Ich bin gespannt und in Plauderlaune!
Mit ihrem Aufschrei gegen das Bettelverbot in Wien und ihr Eintreten für einen ernstzunehmenden Nichtraucherschutz wenden sich die Grünen wieder vermehrt relevanten – im Sinne von: massentauglichen – Themen zu. Natürlich hat das Engagement für die „Rathausfrau“ Symbolkraft, und sicherlich war der Kampf für eine eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlich Liebender (vulgo: Homo-Ehe) wichtig und schlussendlich erfolgreich, wenn auch das wirklich dringende Anliegen von den Regierungsparteien nur in abgeschwächter Form umgesetzt worden ist. Aber an der Wahlurne sind damit einfach keine Mehrheiten zu holen.
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Ob es nun bis zu 12.000 Demonstranten waren, über die sich die studentische Seite freut, oder den Angaben der Polizei entsprechend doch nur ein knappes Viertel davon (laut Austria Presse Agentur, APA): Studierende aus ganz Österreich und einigen Nachbarländern – die APA verweist auf zumindest „eine rund 300-köpfige italienische Delegation“ sowie „zahlreich vertretene Schweizer Unis“ – haben am Donnerstag deutlich gemacht, dass die politischen Zugeständnisse nach den Protestaktionen und Hörsaalbesetzungen im vergangenen Herbst nicht ausreichen. Der damals zuständige Minister war bereits mit einem Bein in Brüssel und brauchte sich nicht mehr ernsthaft um die Misere zu kümmern, seine ziemlich spät bestellte Nachfolgerin hatte bislang kaum eine Chance, ihr persönliches Konzept für die Zukunft der Hochschulen zu entwickeln, geschweige denn zu präsentieren.
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Das Urteil über Helene Hegemanns Roman fällt nach der Lektüre noch vernichtender aus, als zu erwarten war. Natürlich kann man das Buch nur in dem Bewusstsein lesen, dass weite Teile von Airens Strobo abgeschrieben sind, und das schürt auch Vorurteile gegenüber den allgemeinen Handwerksqualitäten dieser Autorin. Aber nach all der Lobhudelei in den Feuilletons und der trotz Aufdeckung des Schwindels hohen Anzahl an verbliebenen Fürsprecherinnen und Fürsprechern des Werks (und der Kompilatorin) war doch erwartbar, dass man sich da täusche. Njet: Über weite Strecken setzt sich die holprige Geschichte nur aus einer Aneinanderreihung von Schimpftiraden zusammen, die mal von einem Sex-Szenchen, mal vom Konsum einer Prise Kokain, ein anderes Mal von verstümmelten Songtexten durchbrochen werden. Die Handlung lässt sich erahnen, aber kaum wiedergeben: Mutterkomplex, Vaterhass, Inzuchtverdacht, Liebeskummer und Rückblenden münden im Chaos. „[G]roße, unvergessliche Literatur“: Satire, Herr Biller?
(3 Punkte)
Neben dem Fall Hegemann, zu dem es hier bald mehr zu lesen gibt, kam mir bei der Lektüre von Airens Buch immer wieder Trainspotting in den Sinn. Danny Boyles Kultfilm (nach dem Roman von Irvine Welsh) erzählte schon 1996 die Geschichte junger Menschen zwischen Lebenslust und Todestrieb. Harte Drogen gaben den Tagesablauf vor, und trotzdem es sich um einen Haufen armer, selbstsüchtiger Versager handelte, fühlte man sich mit ihnen verbunden. Der sensationelle Soundtrack schließlich machte aus einem sehr guten einen tollen Film.
Ähnlich empfand ich Strobo: Obwohl der Autor auf 160 Seiten praktisch nur den Missbrauch seines Körpers und seiner Seele durch Drogen und Sex preisgibt, hält die Mischung aus Ekel und Faszination den Leser wohlwollend am Ball. Kurzweilig werden Entzugsversuche geschildert, werden Leidenschaften für Literatur und Musik dargelegt, wird eine Szene, ach: der Geist einer Generation erlebbar. Und den eindringlich beschriebenen (Techno-)Sound kann man beinahe heraushören.
(6 Punkte)