„Es ist auch moralisch verwerflich, wenn einer, der als [Politiker] grandios gescheitert ist und bisher noch nicht viel zusammengebracht hat, sich auf meine Kosten, zu Lasten meiner Person, zu profitieren (!) versucht und Geld mit mir macht. Das lass ich nicht zu!“ – Man könnte meinen, Stefan Petzner schilt sich selbst für die peinlichen Ausnahmesituationen, in die er sich – scheinbar in immer kürzeren Abständen – regelmäßig manövriert. Aber nein, das in einem Wort veränderte Zitat zielte in Wirklichkeit auf den liebsten Feind David Schalko ab, „der als Künstler grandios gescheitert“ sei, wie Petzner meint.
Immer noch geht es um die Weiße Nacht, Ruhe wird wohl frühestens nach dem Gerichtsprozess am 19. Februar einkehren. Und was schon bisher im Raum stand, wird eben von der deutschen Kulturzeit bestätigt: Petzner klage „nicht auf ein Verbot“ des Buches, sondern er wolle erlittenen Schaden ersetzt haben: „Tantiemen sozusagen – und einen kleinen Zipfel vom Ruhm“, wie 3sat heute verdeutlichte. Es ist ihm also – zum Beispiel – wurscht, dass die an ihn angelehnte Figur (angeblich) einen melonenförmigen Kopf hat. Nun, dann wird der seelische Schmerz wohl nicht all zu tief sitzen. Ein leichtes Spiel für Schalko und seinen Verlag.
Ach ja: „Das kann man als aufrechter Demokrat nicht zulassen“, wird das BZÖ-Anhängsel in diesem Zusammenhang weiter zitiert. Und wieder erwartet man ihn ob seines politischen Wirkens mit erhobenem Zeigefinger vor dem Spiegel stehend…
Krankenstand bringt Fernsehzeit: Nachdem die DVD lange im TV-Kastl rumlag, hab ich’s nun geschafft, die Verfilmung von José Saramagos Stadt der Blinden (R: Fernando Meirelles) anzuschauen. Das vor Jahren gelesene Buch des Schriftstellers im Hinterkopf, ging ich die Sache kritisch an, kann aber uneingeschränkt sagen: Der Film ist gelungen! Selten sah ich eine so respektvoll an die Vorlage angelehnte Adaption. Zur Handlung: Eine neue Art von Blindheit – Betroffene sehen ein blendendes Weiß – wütet in einer namenlosen Stadt. Die Seuche ist ansteckend, Erkrankte werden unter menschenunwürdigen Umständen eingesperrt. Nur die Frau eines infizierten Augenarztes ist immun – sie täuscht ihre Blindheit vor und sichert ihm das Überleben. Trotz dem gemeinsamen Leid obsiegt nämlich in der Gefangenschaft nicht die Solidarität: Saramago thematisiert die Frage der Moral, wenn einen keiner beobachten kann – und man sich nicht im Spiegel sehen muss. In dieser Situation tun sich menschliche Abgründe auf.
(8 Punkte – für das Buch wie für den Film)
Immer wieder hilfreich, wenn man sich von alten Dingen nicht trennt: Aus aktuellem Anlass also Mal schnell die Zivi-Unterlagen rausgesucht, und was lese ich da? Natürlich hab’ ich damals im 97er-Jahr vor der Stellungskommission unterschrieben, „die Wehrpflicht nicht erfüllen zu können“, weil ich es – „von Fällen der persönlichen Notwehr oder Nothilfe abgesehen – aus Gewissensgründen ablehn(e), Waffengewalt gegen Menschen anzuwenden, und daher bei Leistung des Wehrdienstes in Gewissensnot geraten würde“. Das kann man Pazifismus nennen und ist eigentlich eine ganz noble Angewohnheit; dass ich darum scharf darauf gewesen wäre, „Zivildienst leisten zu wollen“, war damals wie heute übertrieben – aber was blieb einem anderes übrig?
Untauglich, also (in erster Linie) körperlich nicht für den Wehrdienst geeignet, waren immer nur jene, die z.B. einen Bauernhof daheim hatten, den sie womöglich noch allein bestellten, oder die seit frühester Jugend professionellen Leistungssport betrieben. Schon seltsam, dachten wir uns bei dem einen oder anderen, als wir nach der Stellung, auf der Heimfahrt von Innsbruck nach Feldkirch (Zwischenstopp: Fohrenburg), gegenseitig in unsere Unterlagen linsten; aber es war dann doch ziemlich egal: Wichtig war uns nur, selbst eine Bescheinigung der absoluten Unversehrtheit mit nach Hause zu bringen. Jene, die der Kommission ihre Selbstmordgedanken bzw. ihren Hass auf Mensch und Gesellschaft dargelegt hatten, ob ernsthaft oder als verzweifelter Versuch, vom Wehr- und damit auch vom Zivildienst befreit zu werden, konnten im besten Fall mit einer Wiederbestellung in zwei Jahren rechnen. (Als potenzielles Kanonenfutter könnte man sie ja vielleicht doch gebrauchen, war unsere Vermutung.)
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