Schmuckes Haar!
Jan 22
Neulich, auf dem Weg zur Arbeit.
In aller Herrgottsfrüh (ausnahmsweise), fällt mir auf einmal, zwischen zwei U-Bahnen, dieser Typ auf: Anfang zwanzig, dunkler Teint; grüner Parka, in der Hand ein Becher Kaffee, fette Kopfhörer und – ja was? Inmitten all der Frühaufsteher, die sich am Westbahnhof in die U3 drängten, konnte ich meinen Blick nicht von diesem Kerl wenden, weil… gibt’s denn sowas?
Eine Antenne, dachte ich – vielleicht Besuch von einem anderen Stern, von Glorf etwa? Dann, weil die schwarzen Locken am Hinterkopf zu einer Art Dutt gezwirbelt waren, assoziierte ich einen dieser Haarstifte, wie sie meine Schwester und meine Mutter schon mal trugen. Doch nein, tatsächlich, es täuschte mich nicht: ein Bleistift. Nicht etwa, um den Dutt zu halten, nicht einmal durch ihn durchgeführt, aber: das war eindeutig das Ende eines Bleistifts, samt aufgesetztem Radierer (in leuchtendem Rot), das sich mir da entgegen streckte.
Mittlerweile eingestiegen, hatte ich mich hinter das Objekt meiner Neugier gestellt. Und mehr noch, als dass ich mich über das wie und warum wunderte – war das eine Eigenkreation? Betrachtete ich einen Einzelfall oder einen Mitläufer? -, beschäftigte mich die Frage, ob das andere Ende des Bleistifts angespitzt, das Teil also einsatzbereit, war. Es juckte mich einigermaßen in den Fingern, doch schreckte ich schließlich davor zurück, ihn heraus zu ziehen, geschweige denn, ihn in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Würde sein Besitzer ihn wohl herausziehen, wenn er am Ziel seiner morgendlichen Reise war (Schule, Uni, Arbeitsamt, Büro, …), vielleicht um sich wichtige Notizen zu machen? Würden sich wohl die Spatzen darauf niederlassen, wenn sie ihn auf der Straße erblickten, um eine Zeit lang darauf auszuruhen? Und, lächerlich, aber dieser Gedanke fraß sich durch mein Gehirn: Schläft der Junge auch damit?
Wie froh war ich, als meine Station ausgerufen wurde. Ich zog den Türhebel, atmete auf und machte mich vom Acker.
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