Nach fast eineinhalb Jahren ein erster Konzeptwechsel: Das (mad)-Blog wird geschlossen, madication erhält insgesamt etwas schlankere Strukturen. Launige Meldungen zur Entwicklung der Gesellschaft finden sich ab sofort an dieser Stelle.
Im zweiten Anlauf haben sie’s geschafft. Schon bei Accelerate hieß es 2007, dass R.E.M. zu ihren Wurzeln zurückkehren und ihre beste Platte seit 20 Jahren abliefern. In Wahrheit hätten einige Tracks jenes Albums zu R.E.M.s Hochzeiten keine B-Seite abgegeben. Klar machte es Spaß, die Jungs nach mittelprächtigen Platten wie Reveal (dem Tiefpunkt) und Around The Sun wieder aufs Gaspedal treten zu hören. Aber erst mit Collapse Into Now besitzt diese wegweisende Band wieder Relevanz – das war seit New Adventures In Hi-Fi (1996!) nicht mehr der Fall.
Wer das neue Album hört und sich in der Vergangenheit mit Michael Stipe & Co. auseinandergesetzt hat, wird sich gleichermaßen an ihre besten Scheiben Document, Out Of Time oder Monster wie auch das endgültige Durchbruchs-Album Automatic For The People und das erwähnte Hi-Fi erinnert fühlen. Genau genommen vereint Collapse Into Now alles, wofür die Band je stand, auf gut 41 Minuten. Damit taugt das Album auch als Einstieg besser als jede Best-of.
(9 Punkte)
Der Mensch ist unperfekt, and so am I. Nachdem ich einige hochtrabende Rezensionen gelesen und einen euphorischen Fernsehbeitrag gesehen hatte, brauchte es nicht mehr viel, um mich in die nächste Buchhandlung zu treiben. Schon während des Weihnachtsgeschäfts war ich immer wieder an diesem Buch vorbei gelaufen, doch stapelten sich zu jener Zeit andere Dringlichkeiten auf meinem Schreibtisch. Schließlich überzeugte mich ein unerwarteter Tweet davon, dass ich mir „den Rachman“ krallte.
Doch nun sitze ich hier, ich unperfekter Leser, vor diesem zu 5/8 gelesenen unperfekten Buch eines unperfekten Autors (samt unperfekter Übersetzung). Wann habe ich zuletzt einen Roman aufgegeben? Ich glaube, das war der Dan-Brown-Mist vor sechs, sieben Jahren. Wenngleich Die Unperfekten dagegen in vielerlei Hinsicht perfekt ist. Um es kurz zu machen: Unperfekte Handlung, unperfekte Figuren, unperfekte Logik menschlichen Agierens. Und eine unperfekte Kurz-Rezension, versteht sich. Den Buchinhalt gibt’s hier.
(4 unperfekte Punkte für das bereits gelesene Unperfekte)
ACHTUNG: Wer sich für diesen hier nur unnötig rumliegenden Briefbeschwerer ernsthaft interessiert, bekommt ihn geschenkt. Gegenleistung: Eine ernsthafte, gutgemeinte Buchempfehlung, die für mich NEU sein könnte. Also nix Moby Dick oder Don Quijote, auch kein Max Frisch, Jörg Fauser, Daniel Kehlmann oder Thomas Glavinic. Bin gespannt auf eure Postings. Das mit dem größten Mehrwert gewinnt. (Der/die potenzielle Sieger/in sollte seine Mailadresse hinterlassen.) Zur leichteren Orientierung siehe hier, da und dort. DANKE!
Nun bedient sich der (mad) flugs selber der Copy-Paste-Vorzüge, und verbrät eine Rezension („Das Google-Copy-Paste-Syndrom“), die er am 3. Februar 2007 im Standard veröffentlicht hat, noch einmal. Der „Plagiats-Jäger“ Stefan Weber war zu jener Zeit gerade so etwas wie ein österreichischer Julian Assange. Nur wies er die Öffentlichkeit, anstatt ihr Geheimdokumente aus Regierungs-, Banker- oder Mafiakreisen zugänglich zu machen, darauf hin, dass die Qualität des wissenschaftlichen Betriebs – Internet sei Dank! – in großer Gefahr sei:
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Eigentlich reicht das Vorwort, in dem Amy Chua schreibt, ihre Geschichte „hätte davon handeln sollen, dass chinesische Eltern bessere Pädagogen sind als westliche. Stattdessen erzählt sie von einem bitteren Kulturkonflikt, einer kurzen Kostprobe vom Ruhm und von meiner Demütigung durch eine Dreizehnjährige“.
In der Tat geht es weniger um die Erziehung ihrer Töchter, als um eine unangenehme Persönlichkeitsschwäche der Autorin. Wenn Chua zeigt, wie die beiden von frühester Kindheit an täglich stundenlang nur Klavier bzw. Violine üben, sie ihnen keinerlei Vergnügen gönnt, die Mädchen als „Abfall“ beschimpft und dabei berichtet, wie sie selbst an ihre Grenzen geht – ich, ich, ich! –, wird klar wer glaubt, sich beweisen zu müssen.
Stilistisch mangelhaft wird angesichts Chuas Biographie – sie lehrt Jus in Yale – ebenfalls bald deutlich, dass hier ein geplanter Skandal in Form missglückter Satire vorliegt. Irreführender (Unter-)Titel, stellenweise unterhaltsam, für Europäer kaum provozierend.
(5 Punkte)
Amy Chua zum Schnelleinstieg: „Why Chinese Mothers are Superior“ im Wall Street Journal.